Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Neunter Band (S - Stallspringer)
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sind, möchte ich hie nur die subcutane
Punction oder Incision als die zuverläs
sigsten Methoden näher besprechen. Die Er
öffnung der Sprunggelenksgallen, die übri
gens viel gefährlicher ist als jene der Seh
nenscheidengallen, muss unter den streng
sten antiseptischen Cautelen vorgenommen
werden und es muss ängstlich dafür gesorgt
werden, dass die Gelenkshöhle dauernd asep
tisch bleibt, weil sonst eiterigjauchige Ar
thritis mit Caries der Gelenksknochen und
septisches Fieber das Leben des Thieres be
droht.
Das Pferd wird auf die entsprechende
Seite umgelegt, so dass die grösste Ober
fläche der Galle möglichst nach oben zu
liegt; dann wird der betreffende Hinterfuss
ausgebunden und durch eine Plattlonge,
welche am Fessel so befestigt ist, dass ihre
langen Enden nach vorwärts und rückwärts
festgehalten werden können, in der Schwebe
erhalten. Nun wird der Fuss zurückgezogen,
auf einem Strohlager niedergedrückt und hier
möglichst fixirt. Die ruhige Lage begünstigt
den guten Verlauf der Operation; unruhige
Thiere sollte man deshalb chloroformiren.
Von der Operationsstelle werden die Haare
abgeschnitten und abgebürstet und die Stelle
dann mit warmem starken Lysolwasser gut
abgewaschen.
Alle Instrumente liegen im Car
bol- oder Lysolwasser und auch die
Hände des Operateurs werden wiederholt gut
desinficirt. — Nun wird die am meisten vor
stehende Galle von einem Gehilfen noch
weiter vorgedrückt, damit sie recht gross und
voll vor dem Operateur liegt. Je nachdem,
wie es Letzterem am handlichsten ist, macht
er entweder an der oberen oder an der unteren
Peripherie der Basis an der Galle einen
kleinen Hautschnitt und schiebt die flache
Klinge eines schmalen, leicht concaven
Messers mit scharfer, aber abgerundeter
Spitze durch die Wunde in die Subcutis hin
auf bis wenigstens zur Höhe der Galle, wendet
das Messer auf die Schneide und macht eine
kleine Incision durch die Kapselwand der
Galle. Jetzt wendet man das Messerchen
wieder auf die Fläche und entfernt es aus
der Wunde. Unter Anwendung eines Lysol
sprühregens drückt man die Flüssigkeit aus
der Galle heraus in die Subcutis, wo man
sie durch Massiren zertheilt — und lässt
auch vom Galleninhalt so viel als möglich
nach aussen abfliessen. Nun erst wird die
Haut getrocknet und die kleine Wunde mit
Collodium und reiner Watte verklebt. —
Hierauf lässt man das Pferd aufstehen, in
den Stall bringen und versucht daselbst die
Anlage eines mässig festen Druckverbandes.
Bei heftiger Reaction kann man eine passende
Gummibinde umlegen und auf dieser einen
Eisbeutel appliciren. Der Patient muss an
dauernd recht ruhig stehen (Hochbinden,
Hängematte).
Will man in die Galle und resp. in die
Gelenkshöhle nach der Operation Flüssigkeit
einspritzen, so versähst man in folgender

Weise: Man macht zuerst wieder den kleinen
Hautschnitt an der Peripherie der Galle und
schiebt hierdurch und in der Subcutis entlang
einen feinen, in seiner Canüle steckenden
Troikart (man kann dazu auch eine grosse
Pravaz’sche Spritze benützen) bis zur Höhe
der Galle, durchsticht hier die Gallenwand
und zieht dann das Stilett heraus. Durch die
Canüle Hiesst der Galleninhalt ab, was man
durch Drücken noch begünstigen kann; dann
spritzt man dieLeblanc’sche Jodlösung (s.
Operation der Sehnenscheidengallen) in die
Höhle, lässt die Flüssigkeit einige Zeit darin
und drückt sie schliesslich durch die Canüle
wieder heraus. Hierauf folgt der Verband.
Das genügende Auswaschen der Gelenkshöhle
mit Sublimatwasser (1 : 5000—1000 aqua
destill.), sowie das Verkleben der Operations
wunde mit Collodium walte dürfte gleichfalls
zu empfehlen sein.
Viele Thierärzte, Leblanc, Hertwig
u. A., operireu am stehenden Thiere; manche
Veterinäre appliciren nach der Operation
eine scharfe Salbe. Auch mit dem glühenden
Eisen wurden Sprunggelenksgallen schon ge
öffnet, oder es geschah dieses durch ein
fachen Stich oder Schnitt und ferner
wurde auch angerathen, einen Seidenfaden
durch die Galle zu ziehen.
Stock fl eth (Chirurgie) schildert eine bei
Arabern übliche Methode zur Entfernung der
fraglichen Gallen. An der inneren Seite des
Sprunggelenks machen die Araber mit einer
feinen Nadel von unten nach oben einen,
zwei oder drei Einstiche durch die Haut in
die Galle, wonach der Galleninhalt — dünn
flüssige Synovia — in das Bindegewebe hin
ausgedrückt wird. Alsdann werden Striche oder
Punkte an beiden Seiten des Sprunggelenks
gebrannt und eine Salbe aus Theer und Honig
in einer dicken Schicht auf das ganze Gelenk
gestrichen. Nun führt man das Pferd in den
Stall und bindet ihm alle vier Beine zusammen,
so dass das Pferd ruhig stehen bleiben muss.
In dieser Stellung verbleibt das Pferd bis
zum 26. Tag; am 30. Tag ist das Pferd ge
heilt. Vallou, ein französischer Veterinär,
sah auf diese Weise Pferde behandeln und
hat selbst so Pferde behandelt und alle
waren zwischen 35 und 50 Tagen geheilt.
Pflug.
Sprunggelenksmechanik. Obwohl das
Sprunggelenk aus einer grösseren Zahl beweg
lich miteinander verbundener Knochen besteht,
also eigentlich ein zusammengesetztes Gelenk
darstellt, so kommt für die Mechanik doch im
Wesentlichen nur das Tibio-Astragalusgelenk
in Frage, da die Verbindung der übrigen
Knochen derart solid und stark ist, dass sie
keine nennenswerthe oder messbare Bewegung
zulässt. Die Bedeutung dieser straffen, sog.
Rutschgelenke besteht wohl nur in der Ver
mehrung der Elasticität des Sprunggelenkes.
Das- Astragalusgelenk gehört zu den
vollkommenen Walzen- oder Wechselgelenken,
wobei die Führungslinie eine lateralwärts
laufende Spirale darstellt. Die beiden Kämme
sitzen schraubenartig der Walze auf, u. zw.

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