Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Zehnter Band (Stall und Stallbau - Verbrennen)
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durchmessers um das Vier- bis Fünffache
übertreffen. Beim Flecktyphus sind bisher
niedere Organismen nicht constatirt worden.
Es ist aber wahrscheinlich, dass sowohl beim
Flecktyphus, als auch bei der Pest mit der
Zeit charakteristische Spaltpilze aufgefunden
werden.
Die Frage, ob der Typhus als solcher
auch bei unseren Hausthieren vorkommt, ist
vielfach verneint worden. Pflug spricht sich
stricte dagegen aus und die Uebertragungs-
versuche von Klein, Barth, Gietl, Murchison,
Klebs, Lebert, Gaffky auf Affen, Hunde. Ka
ninchen, Meerschweinchen, Mäuse, Tauben,
von Hering und Arloing auf Pferde fielen
negativ aus. Dennoch kann nicht in Abrede
gestellt werden, dass bei den Thieren typhus
ähnliche Krankheiten vorkommen und dass
Hunde, Schweine und Pferde zuweilen an
einem wirklichen Abdominaltyphus leiden.
Dagegen haben weder die Rinderpest (Typhus
contagieux des betes bovines), noch die In
fluenza (Fievre typhoide), noch die sog. ty
phöse Form des Milzbrandes oder der Darm
milzbrand etwas mit dem Typhus zu thun.
Dieselben stellen wohlcharakterisirte Infec-
tionskrankheiten sui generis dar, die wesent
lich verschieden vom Typhus des Menschen
sind. Auch der Rückenmarkstyphus oder die
schwärze Harnwinde gleicht keiner der drei
genannten Typhusformen und zeichnet sich
durch Abwesenheit von Bacillen aus. Die Mei
nung einiger Autoren, dass viele Thierkrank
heiten in einen Typhus übergehen oder ein sog.
typhöses Stadium durchmachen können, wie
Rinderpest, Influenza, Meningitis cerebrospina
lis, bösartiges Katarrhalfieber, Blutharnen,
Ruhr, Wuth, Lungenseuche, Pocken, Rothlauf
etc., ist ebenfalls eine irrthümliche. Es handelt
sich dabei nur um eine Verschlimmerung der
Krankheiten mit starker Depression des
Nervensystems und gewisse Blutentmischun
gen und Blutveränderungen mehr septischen
Charakters.
Die Aehnlichkeit der Influenza mit dem
Abdominaltyphus beruht nur auf einer ab und
zu auftretenden stärkeren Affection des Darms.
Ecchymosenbildungen und Milzschwellung und
bei der Rinderpest auf Schwellung der Darm
follikel und der Mesenterialdrüsen. Ob der
Rückfalltyphus und Flecktyphus bei den
Thieren vorkommen, darüber liegen keine
entscheidenden Beobachtungen vor. Die sog.
typhöse Form des Rothlaufs der Schweine
und eine bei Pferden vorkommende typhöse
Affection mit Ecchymosenbildungen auf sämmt
lichen Schleimhäuten haben einige Aehnlich
keit mit dem Flecktyphus des Menschen, sind
aber keineswegs identisch mit demselben.
Bei Hunden und Pferden kommt ein wirk
licher Abdominaltyphus vor, der sich vom
menschlichen durch etwas grössere, weniger
bewegliche Bacillen unterscheidet (Fig. 2227)
und durch Fütterung auf Ratten übertrag
bar ist. Ausserdem leidet der Hund an
einem Abdominaltyphus, der sich in nichts
von der gleichen Krankheit beim Menschen
unterscheidet und bei welchem kurze, beweg

liche Bacillen in der Darmschleimhaut, den
Follikeln, Mesenterial- und Bronchialdrüsen,
der Milz und im Blute auftreten, die mit den
beim menschlichen Darmtyphus auftretenden
von Gaffky beschriebenen und cultivirten
vollkommen übereinstimmen (Fig. 2228). In
der pathologisch - anatomischen Sammlung
des Dorpater Veterinärinstitutes befindet sich
eine ganze Reihe von Präparaten vom Darm
typhus bei Pferden mit Schwellungen und
Zerfall der Peyer’schen und solitären Follikel,
Ecchymosen, Schorf- und Geschwürsbildungen
bis zur Perforation des Dickdarms. Typhus
fälle an Pferden und Hunden sind in Dorpat,
wo der Abdominaltyphus bei Menschen per
manent herrscht, zu wiederholtenmalen be
obachtet weiden.
Aetiologie. Der Darmtyphus gehört
zu den sog. Bodenkrankheiten, d. h. die In-
fectionskeime entwickeln sich ausserhalb des
Organismus im Erdboden, Schlamm und
Grundwasser, besonders in nassen Niederungs
gegenden mit hohem Grundwasser. Die
Krankheitskeime werden fast ausschliesslich
mit dem Wasser, wie bei der Cholera, sel
tener mit der Nahrung aufgenommen und
rufen nach einer verschieden langen Incuba-
tionsdauer die Erkrankung hervor. Eine
directeUebertragung des Abdominaltyphus von
Mensch auf Mensch oder von Mensch auf
Thier, oder von Thier auf Thier durch Be
rührung, Aufenthalt in demselben Raum und
durch Impfung mit Cadavertheilen am Typhus
eingegangener, ist nicht beobachtet worden.
Dagegen kommen Massenerkrankungen in
gewissen Localitäten meist durch Verunreini
gungen der Brunnen mit den Typhuskeimen
häufig vor. In der Darmschleimhaut, den
Darmfollikeln, den Mesenterialdrüsen und der
Milz von Typhusleichen wurden von Eberth,
Klebs, Koch, Meyer, Tommasi-Crudeli, Cu-
boni, Ceci, Marchiafava und Gaffky massen
hafte kleine Bacillen von der Länge eines
Drittels bis zu der Hälfte des Durchmessers
rother Blutkörperchen und von der Breite
eines Neuntels des Blutkörperchendurchmes
sers constatirt. Gaffky erzielte Reinculturen
dieser Bacillen auf Fleischwasserpeptonge
latine, Kartoffeln und Blutserum und Sporen
entwicklung in den Bacillen in 3—4 Tagen
hei einer Temperatur von 30 bis 42° C
Gaffky erhielt bei seinen Uebertragungsver-
suchen auf Thiere negative Resultate. Die
Italiener dagegen erhielten bei den Versuchs
thieren positive Resultate, wenn die Culturen
längere Zeit unter Bedingungen fortgesetzt
wurden, wie sie bei natürlichen Verhältnissen
im Erdboden gegeben sind. Gietl, Ammon
und Kerschensteiner beobachteten 1889 und
1860 den Typhus bei Pferden, Fössler bei
Gänsen in Bayern. E. Semuier constatirte
1885 bei drei Hunden und einem Pferde, die
unter typhusähnlichen Erscheinungen ver
endet waren, charakteristische kurze Ba
cillen in der Darmschleimhaut, den Follikeln,
und Lymphdrüsen, im Blute und in den
Transsudaten, die sich von den Gaffky’schen
nur durch eine etwas bedeutendere Grösse

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