Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Zehnter Band (Stall und Stallbau - Verbrennen)
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In Kolos-Monostor rechnet man nach je
dem Tigajaschaf 301 Milch pro Saison nnd es
werden daraus durchschnittlich 5 kg Käse
hergestellt.
In der Gemeinde Hütfalu des Kronstädter
Comitates liefert der Hirt von der Milch
eines jeden Tigajamutterschafes an den Be
sitzer der Heerde jährlich 6'7 kg Käse und
1 kg Topfen ab.
Wenngleich bezüglich der Haltung der
siebenbürgischen Schafheerden in der Neuzeit
manche Verbesserung stattgefunden hat, so
lässt dieselbe doch noch immer, besonders
zur Winterszeit, viel zu wünschen übrig; in
sehr strengen Wintern sollen oft Tausende
von Schafen zu Grunde gehen.
Die Thiere müssen Jahr ein, Jahr aus
im Freien zubringen und gar nicht selten
ihr Futter unter dem Schnee hervorkratzen.
An einigen Orten errichtet man für dieselben
einen Schutzzaun gegen die Windseite, und sie
erhalten dann auch hier wohl etwas Heu und
Stroh, jedoch fast niemals Wurzel werk, Rüben
u. dgl. Im Sommer beziehen die Heerden die
Gebirgslandschaften, deren Waldstände oft
mals in grossen Strecken dem Weidebedürf
niss zum Opfer fallen, indem die Hirten sie
in Brand stecken. Von einer ordnungsmässigen
Cultur der Weideplätze ist bis jetzt wohl
niemals die Rede gewesen.
Die Ziegen, deren Anzahl zwischen
190.000 und 200.000 schwanken soll, ver
theilen sich über das Land ziemlich gleich
mässig, und es bestehen dort bezüglich der
Körpergestalt und Grösse keine wesentlichen
Unterschiede; sie gehören fast ausnahmslos
zur südeuropäischen Rasse, welche sich durch
grössere, stärkere Figur und längere Behaa
rung von den nordeuropäischen Rassen aus
zeichnet. Bezüglich der Haarfärbung wird
angegeben, dass unter den dortigen Thieren
viele mit gelbem oder röthlichem Haar vor
kämen, wohingegen weisse seltener sein sollen.
Die Milchergiebigkeit der Ziegen wird all
gemein gelobt, ebenso auch die Qualität
ihrer Milch. Frische Ziegenmilch scheint
dort zum Genuss beliebter zu sein als Schaf
milch. An allen Orten, wo grössere Ziegen-
heerden im Lande vorkommen, fertigt man
aus ihrer Milch Käse (brinsa), der jedoch im
Werthe dem Schafkäse etwas nachsteht. Aus
den Ziegenhaaren werden grobe Gewebsstoffe,
Decken, Säcke etc. hergestellt.
Die siebenbürgische Schweinezucht
steht hinter der ungarischen und croatischen
etwas zurück; man zählte im Ganzen 501.751
Stück, von welchen eine nicht geringe Anzahl
zur gemeinen, unveredelten Bergrasse gehört.
Die Thiere derselben haben einen langen,
geraden Kopf mit ziemlich langen, nichtsehr
breiten Ohren, welche halb über den Kopf
weghängen. Ihr Hals ist lang und platt, der
Brustkorb nicht genügend aufgewölbt, der
Rücken schmal und gekrümmt, das Kreuz
fällt stark nach hinten ab, ist kurz und
schmal; ihre langen Beine sind kräftig und
befähigen die Thiere zu grossen Wanderungen.

Bezüglich der Färbung wird angegeben, dass
sie in der Regel weiss- oder blondhäutig er
schienen; es kämen unter ihnen aber auch
viele röthliche und schwarze Exemplare vor.
Diese gemeine Rasse entwickelt sich sehr
langsam, mästet sich schwer und gibt selten
eine gute Fleischqualität, doch ist das von
ihnen gelieferte Fleischquantum sehr häu
fig grösser als bei den (besseren) unga
rischen Schweinen; diese sind mehr Fett
oder Speckschweine. Die siebenbürgischen
Bergschweine sind stets reich mit Borsten
bewachsen, und es bilden dieselben auf dem
Halse und Rücken einen starken Kamm. Die Un
bilden des Wetters halten die gemeinen Land
schweine gut aus, und sie haben nur selten
von Krankheiten zu leiden. Die Fruchtbar
keit der Sauen ist eine mittelmässige; sie
werfen selten mehr als acht Ferkel.
In den sächsischen Kreisen, wo schon
seit langer Zeit die Wurst- (Salami-) Fabri-
cation sehr umfangreich betrieben und alljähr
lich viel Speck, Schinken und Wurst verzehrt,
aber auch eine grosse Menge dieser Waaren
nach Rumänien etc. ausgeführt wird, haben
die Bauern schon Mancherlei zur Verbesserung
der Schweinezucht unternommen. Es wurden
anfänglich ungarische Eber aus Kis-Jenö und
Szalonta eingeführt und später englisches
Blut zur Veredlung der Bergschweine benützt.
In den ungarischen Städten Közdi-
Väsärhely, auch auf verschiedenen Gütern
reicher Herren soll die Veredlung der Schweine
zum Theil weit besser von Statten gehen,
als in den sächsischen Dörfern um Kronstadt;
dort verwendet man zur Kreuzung haupt
sächlich Eber der besten ungarischen Zuchten
(von Szalonta und Mangalicza) und bevorzugt
hiebei die langleibigen Thiere mit überhän
genden Ohren. Die englischen Rassen mit
kurzen, aufrecht stehenden Ohren sind hier
nicht beliebt; man glaubt, dass diese edlen
Thiere für die klimatischen Verhältnisse des
Landes nicht passen; deren dünne Haut mit
wenigen, kurzen Borsten mache sie für die
dortige Haltungsweise ungeeignet.
Gewöhnlich werden die Schweine in grösse
ren oder kleineren Heerden auf die Weide
getrieben, wo sie sich zwar oftmals etwas
knapp behelfen müssen. An den Orten, wo
Eichen- und Buchenwälder im Herbste durch
ihre Früchte den Thieren eine zusagende
Nahrung gewähren, trifft man meist wohl
beleibtes Borstenvieh. Im Winter bildet der
Mais ein Hauptnähr- und Mastmittel für das
selbe; doch dürfte es vielleicht ganz zweck
mässig sein, einen Theil des Maisfutters durch
Gerste oder andere Kornarten zu ersetzen.
Alle grösseren geschickten Master füttern jetzt
fast ausschliesslich Mais und Gerste und sie
behaupten, dass der beste Speck und das beste
Fett nur durch diese beiden Futtermittel er
zielt werden könnten. Nach Aussage des
Professors C. Monostori in Buda-Pest soll
das durch diese Fütterung gewonnene Fett
an Derbheit, Geschmack und leichter Con-
servirung jedes, mit anderen Futtermitteln
erzeugte Fett bei weitem übertreffen.

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