Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Zehnter Band (Stall und Stallbau - Verbrennen)
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verendeter Thiere möglichst zu verhüten,
müssen alle Todesfälle zur Anzeige gebracht
und die Abdeckereien streng polizeilich über
wacht werden, denn von letzteren aus wird
öfter solches Fleisch unter der Marke „Hunde
futter“ in die Städte eingeschmuggelt und
hier zum Genusse für Menschen verkauft
oder zu Wurst verarbeitet (s. auch Fleisch
untersuchung, Fleischvergiftung und Fleisch
verwerthung). Anacker.
Ungeziefer, s. Parasiten und Parasitismus.
Ungt. Die auf Recepten gebräuchlichste
Abbreviatur für Unguentum, Salbe. Vogel.
Unguedo s. unguen s. Unguentum (von
ungere, salben), die Salbe, die Schmiere. Anr.
Unguentum (ungere, unguere, bestreichen,
schmieren) Salbe, Pomatum. Eine äusserlich
vielgebrauchte Arzneiform, ausgezeichnet durch
die festweiche Consistenz; die mehr oder
weniger butterartige Masse soll nicht bei ge
wöhnlicher Temperatur zerfliessen und sich
auf der körperwarmen Haut leicht zertheilen
lassen. Feste Salben heissen Gerate, Pflaster;
zähe, dehnbare Pasten, halbflüssige
Salben sind Linimente. Die Salben dienen
entweder als Schutz- und Deckmittel für die
Haut oder will man durch bestimmte, mit
ihnen zu verbindende Arzneisubstanzen ört
liche, epidermatische, selten allgemeine Wir
kungen erzielen.
Jede Salbe besteht aus der Grundlage
als Hauptmasse, dem Constituens oder
Excipiens und einem beigemengten medi-
camentösen Stoffe, der von der Salben
grundlage aufgenommen, bezw. ausgezogen
werden soll und Excipiendum heisst. Als
Constituens dienen gewöhnlich fette oder fett
ähnliche Körper der Salbenconsistenz und
wird das Schweineschmalz am häufigsten ge
wählt; ausserdem dienen hiezu die Paraffin
salbe, Vaselin, die Glycerinsalbe, das Ter
pentin und die grüne Seife. In neuerer Zeit
ist Lanolin, Mollin und Solvin hinzugekommen.
Ungesalzene Butter eignet sich (wie Knochen
mark) wegen leichter Zersetzung des Gehaltes
an eiweissartigen Stoffen weniger gut, ausser
es sind reizende Wirkungen beabsichtigt. Soll
der Salbe mehr Consistenz ertheilt werden,
was besonders in der wärmeren Jahreszeit
nöthig werden kann, so verwendet man als
Zusatz gewöhnlich Hammeltag (Sebum ovi-
num), Ochsenmark (Medulla bovina), Cacao-
butter (Butyrum Cacao), das feste Cocosöl,
Walrat (Cetaceum), Wachssalbe (Unguentum
cereum), Traganth, Stearin, Terpentin u. dgl.
Von diesen Salbengrundlagen verlangt man
vor Allem, dass sie sich 1. gegenüber den
einzuverleibenden Arzneimitteln chemisch
gleichgiltig verhalten, 2. an der Luft
unveränderlich sind, 3. die Haut nicht
reizen und 4. nöthigenfalls auf dieser re
sorptionsfähig sind. Nicht alle Salben
körper besitzen diese nothwendigen Eigen
schaften in gleichem Masse, einzelne fast oder
gar nicht. Wachs z. B. ist sehr haltbar, eine
Aufnahme in die Haut aber fraglich, Ter
pentin ist resorptionsfähig, reizt aber Haut
und Schleimhaut, am meisten entsprechen

den Anforderungen die thierischen Fette,
mit denen sich auch am sichersten eine Wir
kung auf die tieferen Schichten der Cutis
erzielen lässt. Die Schattenseite derselben
besteht darin, dass sich an der Luft leicht
Fettsäuren abspalten, welche reizende Eigen
schaften besitzen und die chemische Indiffe
renz stören, das Ranzen lässt sich aber da
durch vermeiden, dass man kleine Quantitäten
eines aromatischen Körpers (ätherische Gele,
Benzoö u. dgl.) beigibt; ausserdem sollen
Salben überhaupt nur in geringer Menge
(auf wenige Tage) verschrieben werden und
auch der Apotheker ist gehalten, keine grös
seren Verrathe von Fettsalben anzulegen. Im
fiebrigen gibt es auch Excipientien, welche
der Rancidität gar nicht anheimfallen, wie
Vaselin, Paraffin, Glycerin, Lanolin.
Schweinefett, durch Waschen gut ge
reinigt und wasserfrei, hält sich monatelang
unzersetzt und alterirt im frischen Zustande
selbst den Höllenstein nicht. Ausserdem hat
es die gute Eigenschaft, sich mit Wasser
oder mit diesem abgerührten, bezw. gelösten
Arzneimitteln leicht zu vermischen, wodurch
zugleich die Aufsaugungsfähigkeit erhöht
wird. Noch besser geschieht dies bei dem
im Wolisch weiss der Schafe enthaltenen
Cholestearinfett, dem Lanolin, dessen Salben
als Lanolimente bezeichnet werden. Es lassen
sich mit ihm leicht 100% und mehr Wasser
vermischen. Auch für sich ist das Wollfett
sehr leicht zertheilbar, reizt niemals und
dringt leicht durch die Epidermis, eignet sich
daher besonders, wenn rasche und sichere
Resorption erhofft wird. Ein Uebergang in
die Hautcapillaren ist gewöhnlich nicht ge
wünscht, wohl aber ein Eindringen in die
Haarbälge und bis auf die in der Cutis sich
ausbreitenden peripheren Nerven. Besonders
gerne verwendet man Lanolin mit Geraten
oder zu Salben mit wasserlöslichen Arznei
körpern und gibt man dann vortheilhaft
kleine Mengen Schweinefett hinzu, z. B.
Acid. tannic. 5 0, Aqu. destill. 3 0, La
nolin 50 0, Adeps suillus 5 0. M. f. Lano-
limentum. Auch ein weiteres, jedoch festes
hartes Wollfett ist neuerdings in Gebrauch
gekommen und heisst Oesipus; salbenartig
wird es erst durch Beimengung gleicher
Theile eines fetten Oeles (Tänzer und Ihle).
Anders verhält sich die vielgebrauchte Pa
raffinsalbe, Unguentum Paraffin!, ein Ge
menge von festem und flüssigem Paraffin
(künstliche Vaselin). Es wird ihr zwar Re
sorptionsfähigkeit nahezu abgesprochen, sie
besitzt aber andere Vorzüge, welche nament
lich darin bestehen, dass sie eine höchst be
deutende Widerstandsfähigkeit gegen chemi
sche Agentien besitzt, in Fett und Oel lös
lich ist, nicht reizt und vortrefflich deckt.
Da sie nur 4% Wasser aufzunehmen vermag,
scheidet sie Salzlösungen wieder aus, taugt
daher mehr nur für schwer lösliche Medica-
raente und wird auch officinell nur für die
Brechweinstein-, Bor- und Bleisalbe, für die
rothe und weisse Präcipitatsalbe verwendet;
für Jodpräparate sollte sie wie die Glycerin-

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