Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Zehnter Band (Stall und Stallbau - Verbrennen)
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salbe nicht verwendet werden. Hinsichtlich
der Penetrabilität steht das Unguentum
Glycerini in der Mitte, die Salbe wird nur
durch anhaltendes Reiben resorptionsfähig,
dagegen vermag sie viel Wasser aufzunehmen,
enthält die meisten Arzneimittel gelöst, be
sonders Metallverbindungen und Alkaloide,
verändert sie nicht, zeigt grosse Haltbarkeit,
ist auch im Sommer nicht zerfliesslich und lässt
sich sehr leicht durch Abwaschen entfernen.
Ihrer Consistenz wegen wird sie ähnlich dem
Cold-cream verwendet und wie die Paraffin
salbe besonders auch zur Herstellung von
Augensalben gewählt.
Solvin (Polysolve), ein Sulfoderivat der
Oelsäure, ist ausgezeichnet durch seine grosse
Solutionsfähigkeit und dringt auch gut in die
Haut ein, löst aber, u. zw. schon in sehr
grosser Verdünnung die rothen Blutkörper
chen auf und musste wieder verlassen wer
den. Zugleich als Deckmittel dienen ins
besondere die Diachylonsalbe (s. u. Un
guentum diachylon), die Wachssalbe s. Un
guentum cereum und die Walratsalbe
(Cold-cream) s. Unguentum leniens. Honig
salben sind kaum mehr im Gebrauch und
auch entbehrlich. Reizende Salbengrund
lagen sind die Kaliseife und das Terpentin.
Die grüne Seife wird thierärztlich gerne
verwendet, da sie zugleich ein beliebtes,
billiges Reinigungsmittel ist, sich leicht ab-
waschen lässt, auch gut in die Haut ein
dringt und damit das Excipiendum mitnimmt.
Besonders schätzenswert)! ist die Schmier
seife bei chronischen und parasitären Haut
krankheiten zur Aufnahme von Theer, Schwe
fel u. dgl., andere Arzneistoffe werden da
gegen durch den Ueberschuss an freiem Kali
zersetzt, so insbesondere die sauren Verbin
dungen, Säuren und die meisten Metallsalze.
Das Mo 11 in ist ebenfalls eine weiche Kali
seife, jedoch durch 15% Cocosöl überfettet,
so dass kein ungebundenes Alkali enthalten
ist. Diese „Salbenseife“ lässt sich gleichfalls
ohne Schwierigkeit entfernen, verhält sich
sehr indifferent gegen die einverleibten Me-
dicamente, ist sehr haltbar, wird aber mehr
nur in der Menschenheilkunde gebraucht,
weil sie in der Wäsche keine Fettflecken
macht. Das Terpentin findet wegen seiner
zähschmierigen Consistenz nur für besondere
Zwecke Anwendung, hauptsächlich, wenn es
sich darum handelt, reizende, digestive
Wirkungen auszuüben, Zertheilung und Eite
rung herbeizuführen, es ist daher auch viel
fach das Constituens für scharfe Mittel. Das
Harz selbst wie der Antheil an ätherischem
Oel ist resorbirbar, für sich allein ist das
Mittel selbst bei grosser Torpidität allzu
reizend, meist wird es mit Oel, Fett, Wachs,
Talg oder auch mit Eigelb, Honig zur Salbe
gemacht (Digestivsalbe). Officinell sind das
Unguentum Terebinthinae und Unguentum
basilicum (s. d.). Zu bemerken ist, dass Lano
lin, Mollin, sowie die Paraffin- und Glycerin
salbe zu den theueren Constituentien ge
hören.
Was die Zubereitung der Salben

betrifft, so geschieht diese nach erfolgter
Mischung der Bestandtheile in einer passen
den reinen Reibschale durch sorgfältiges
Verrühren. Alle Salben müssen eine durchaus
gleichmässige (nicht körnige) Masse bilden.
Das Verhältnis» des Arzneistoffes zur
Salbengrundlage ist gewöhnlich rund 1 :10,
von trockenen Medicamenten oder dickflüs
sigen Arzneistoffen (Pulver, Harze, Extracte,
Balsame) können bis zu */ 4 oder % des
Salbenkörpers zugesetzt werden, von ätheri
schen Oeien, wozu auch der Kampher ge
hört, nur */,,, vonTincturen u. dgl. */,. Eine
Ueberschreitung genannter Mengen beein
trächtigt die Salbenconsistenz. das Nähere
ist unten bei den einzelnen Salben regel
mässig angegeben. Mittel, wie Salze, Pflanzen
pulver, Alkaloide, Harze, trockene Extracte
müssen stets möglichst fein zerrieben,
dann mit kleinen und erst allmälig mit grös
seren Mengen des Constituens vermengt wer
den. Wasserlösliche Salze und Extracte
sind vor der Mischung mit wenig Wasser
anzureiben oder zu lösen (mit Ausnahme
des Brechweinsteins), andere weniger oder
nicht lösliche Pulver kommen mit Spiritus,
Oel, Glycerin, bezw. mit Wasser vorschrifts-
mässig geschlemmt zur Verreibung, nach
dem nötigenfalls der Salbenkörper zuvor
leicht erwärmt wurde. Diejenigen Salben,
welche aus schwer mischbaren Substanzen,
aus Wachs, Harz, Terpentin und Fett oder
Oel bestehen, sind in der Wärme zusammen
zuschmelzen und so lange fortwährend
bis zum Erkalten umzurühren, bis die ein
zelnen Bestandtheile eine vollkommen homo
gene Masse darstellen. Flüssige oder flüch
tige Zusätze weiden erst während des Er-
kaltens unter Umrühren beigegeben. Schwerer
schmelzbare Ingredienzien werden für sich
allein (oder unter geringem Zusätze leichter
schmelzbarer Körper) geschmolzen und dann
beigefügt, dabei ist jede unnöthige Wärme
steigerung zu vermeiden. Caustische Flüs
sigkeiten (Salmiakgeist, Natronlauge) lie
fern mit Fett oder Oel infolge Bildung von
Seife bezw. Elaidin steife ceratähnliche Ge
mische. Einzelne Salben für grösseren Ge
brauch können auch selbst bereitet werden,
wie z. B. Hufsalben. Diese bestehen meist
aus Fett, Oel, Thran, zweckmässiger erweisen
sich jedoch, wenn solche überhaupt nöthig,
die deckenden Hufsalben, bestehend aus Fett,
Wachs und Terpentin ana.
Die Ordinationsformel lautet kurz
weg : „Misce fiat Unguentum. Detur, Signetur“;
zuweilen wird auch „Misce exacte“ oder
„exactissime“ geschrieben. Bei Salben, welche
eine umständlichere Dispensation erforderlich
machen, wobei einzelne Theile erst ge
schmolzen werden müssen u. s. w., überlässt
man das Weitere dem Apotheker und deutet
es auf dem Recepte mit dem Vermerk an:
„Misce lege artis fiat Unguentum. Detur.
Signetur“. Früher wurde das zu befolgende
Verfahren im Recepte näher angegeben, wie
z. B. das Erhitzen bei gelindem Feuer (leni
igne) oder im Dampfbad (in balneo vaporis,

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