Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Zehnter Band (Stall und Stallbau - Verbrennen)
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treiben Keimschläuche, welche neue Mycelien
erzeugen, aus denen schliesslich wieder
Aecidieu hervorgehen.
Noch sei bemerkt, dass gemeinschaft
lich mit den Aecidien häufig sog. Spermo-
gonien auftreten. Es sind dies kleine, meist
birnförmige Fruchtlager, in denen auf pfiieni-
lichen Hyphen (Sterigmen) sehr kleine, rund
liche bis stabförmige Sporen (Spermatien) ge
bildet werden, deren Bedeutung noch nicht
völlig aufgeklärt erscheint.
Die Uredineen schädigen im Allgemeinen
die von ihnen befallenen Pflanzen, jedoch in
viel geringerem Grade, als die Ustilagineen.
Als typische Art möge nur eine hier genannt
werden: Die Puccinia graminis Pers., der sog.
Gras- oder Getreiderost.
Dieser Pilz findet sich im Frühjahre auf
der Berberitze, Berberis vulgaris als Becher
pilz, Aecidium Berberidis Gnrel.
Die Sporen dieser Form erzeugen auf
Gerste-, Weizen-, Roggen- und einer Reihe
von Grasarten zuerst die Rostpilzferm: Uredo
linearis Lamb. und zuletzt die zweizeilige
Teleutosporenform: Puccinia graminis Pers.;
diese überwintert. Im Frühjahre keimen die
Pucciniasporen, treiben kurze Keimschläuche
(Promycelien), auf welchen sich kleine Stäb
chen bilden, die kleine Sporen (Sporidien)
abschnüren, aus denen wieder auf der Ber
beritze das Aecidium Berberidis hervorgeht
(s. Rostpilze).
Die aus den Uredieen entstehenden Krank
heiten s. Ustilaginei. Harz.
Uredo (von urere, brennen), der Rost,
der Rostpilz. Anacker.
Urema (von oupslv, harnen), der Harn,
der Urin. Anacker.
Uren s. urenium s. uricum (von oopov,
Harn), der Harnstoff. Anacker.
Ureorrhoea (oupov, Harn und por ( , Fluss),
der Harnfluss, die Harnruhr (Diuresis). Pflug.
Uresis (von vüpstv, harnen), das Harnen.
Anacker.
Ureter (von oopov, Harn), der Harnleiter,
der Harngang. Anacker.
Ureteritis (von oäpryxep, Harnleiter und
itis, Ends.), die Harnleiterentzündung — Ure-
terophlegmasia (Pflug.
Ureterolithiasis (— und Xtffo;, Stein),
Harnleitersteinkrankheit. — Ureterolithus,
der Harnleiterstein. Pflug.
Ureterolithus (von ohpvjxv'ip, Harnleiter;
Xifl-os. Stein), der Harnleiterstein. Anacker.
Ureterolysis (von obprjxr t p, Harnleiter;
Xoa:?, Lähmung), die Harnleiterlähmung. Anr.
Ureteropyosis (von oupvjxVjp, Harnleiter;
TCUuiv. Eiter), die Harnleitervereiterung. Anr.
Ureterorrhagia (von obpr^-qp, Harnleiter;
payg. Riss), die Harnleiterblutung. Anacker.
Ureterostegnosis s. ureterostenosis (von
oupvjt^p, Harnleiter; axeyvc/'?, verdichtet, zu
sammengezogen,; oxevo?, enge), die Harn
leiterverengerung. Anacker.
Ureterostenosis (— und oxeyviua:?, axe-
vcoacs, Verengerung), Harnleiterverengerung.
Pflug.

Urethanum. Urethan (von Urea, Harn
stoff, und Ethan. Aethyl abgeleitet), ein Ab
kömmling des Harnstoffs, der chemisch
auch Carbamid heisst, und aus welchem Ure
than dargestellt wird, indem salpetersaurer
Harnstoff mit Aethylalkohol (Weingeist) er
hitzt wird; chemisch genommen ist hienach
das Präparat Carb arain säure - Ae thyl-
äther. Es werden übrigens alle Ester oder
Aether der Carbaminsäure (hypothetische
oder Amidokohlensäure, CO(OH) a ), in welcher
eine Hydroxylgruppe durch die Amidogruppe
NH S ersetzt ist, als „Urethane“ bezeichnet,
nur der Aethyläther genannter Säure ist je
doch das Urethan der Heilkunde. Es stellt
breite durchscheinende Blättchen dar, riecht
schwach säuerlich, schmeckt ähnlich dem Sal
peter kühlend salzig und löst sich sehr leicht
in Wasser, Weingeist und Aether (1 :1), in
Glycerin (1 : 3). in Oel (1 : 30).
Auf thierisches Gewebe hat Urethan
keinerlei locale Wirkung, es zeichnet sich
nur dadurch aus. dass es nach der Resorp
tion besondere Beziehungen zum Grosshirn
unterhält und (ähnlich dem Hypnon) Schlaf
erzeugt. lieble Nebenwirkungen kommen
nicht zu Stande, namentlich lässt es keine
Depression zurück, das Mittel hat sich daher
als Hypnoticumin der Menschenheilkunde
sehr beliebt zu machen gewusst; der künst
lich erzeugte Schlaf kommt dem natürlichen
gleich und stört auch weder der Geruch,
noch der Geschmack des Mittels. Man gibt
es, wo Bedürfniss nach Schlaf vorhanden, das
Eintreten desselben aber durch Erregungs
zustände des Gehirns erschwert wird. Da das
Herz intact gelassen wird, dient es nament
lich auch bei Herzkrankheiten. Dosis für den
Menschen 1—2 g. Eine der jetzt beliebtesten
Formeln ist: Rp. Urethan. 4'0, Aqu. dost.
40 0, Syrup. Gort. Aurant. 20'0. M. D. S.
‘/jStündl. 1 Löffel voll bis zur Wirkung. Auch
in die Thierheilkunde hat das nicht allzu
theure Mittel (lg— 10 Pf.) jetzt Eingang
gefunden und ist von Fröhner näher unter
sucht worden. Bei Hunden erweist es sich
gleichfalls hypnotisch, allerdings erst auf
grössere Gaben und tritt dabei hauptsächlich
eine Allgemeinberuhigung des Ner
vensystems hervor, ähnlich wie beim Brom-
kalium. Schmerzlindernde Eigenschaften lassen
sich nicht constatiren. Für Pferde ist Ure
than unbrauchbar, selbst auf 400 g kommen
Schlafwirkungen nicht zu Stande. In der
Hundepraxis wird das Mittel nunmehr gerne
bei nervöser Reizbarkeit, bei Exaltations
zuständen, Gehirnkiämpfen, Epilepsie, Roll
krankheit, nervöser Staupe u. dgl. gegeben,
gelöst oder als Pulver mit Zucker zu 2 -5 bis
lO'H, grössere Hunderassen erfordern Gaben
bis zu 20'0. Rp. Urethan 20'0, Syrup. alb.
lO’O, Aqu. dest. loO'O. MDS. Auf 2—3mal in
zweistündiger Pause. Grosse Dosen erzeugen
in allen Fällen tiefen, bis zu 7 Stunden an
dauernden Schlaf, der nach etwa einer halben
Stunde eintritt. Erst 50 s todten mittelgrosse
Hunde (2'5 g pro Kilo Körpergewicht), nach
dem katalepsieähnliche Erscheinungen, spinale

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