Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Zehnter Band (Stall und Stallbau - Verbrennen)
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besitzen. Mehrere Herde Liessen oft zusam
men, und auch die Pigmentirung bleibt nicht
immer regelmässig und gleichmässig.
Die diffuse Chorioiditis (Chorio-
Retinitis) wird namentlich bei der Mond-
b lindheit der Pferde (Iridochorioiditis
recidiva) beobachtet und bei den oben ge
nannten Infectionskrankheiten, bei welchen
die an Iris und Ciliarkörper auftretenden Ent
zündungen sich ebenfalls über den ganzen
Uvealtractus ausbreiten können (Chorioidi
tis metastatica).
Periodische (intermittirende) Augen
entzündung, Mondblindheit, Monat
blindheit, Mondfluss, Fluxion pörio-
dique, Moon blindness, Iridochorioi
ditis recidiva, Sclero-Irido-Chorioi-
ditis specifica.
Aetiologie. Die Präge nach den Ur
sachen für diejenigen Störungen des Pferde
auges, welche man mit dem Namen der
periodischen (intermittirenden) Augenentzün
dung oder Mondblindheit bezeichnet, war lang
ohne befriedigende Lösung geblieben. Wenn
man sich auch „auf Grund klinischer und
anatomischer Untersuchungen“ schliesslich
dahin geeinigt zu haben scheint, dass die
Mondblindheit „eine entzündliche Erkrankung
des Uvealtractus, eine recidivirende Entzün
dung in der Iris, Chorioidea und im Ciliar
körper“ ( 10 8. 60 u. 61) darstellt, so hatte
man trotz der stets und bis auf die Gegen
wart mit allen zu Gebote stehenden Mitteln
vorgenommenen Untersuchungen eine einheit
liche Ursache für diese Augenkrankheit mit
Sicherheit nicht aufzustellen vermocht und
die verschiedensten Einflüsse als muthmass-
liche Ursachen ausgegeben. Schon die Be
nennung „Mondblindheit“ verräth, dass man
das Leiden mit dem Monde in ursächliche
Beziehung gebracht hat. Es schien, als wenn
das Wiedereintreten (Recidive) dieser Augen
entzündung von dem Wechsel des Mondes
abhinge, oder man glaubte, von einer schein
baren Heilung bis zum anderen Rückfalle
regelmässige Zwischenräume von einem Monat
(Monatblindheit) zu beobachten.
Berlin ( 4S S. 40) leitet den Namen
„Mondblindheit“ von dem in der vorderen
Augenkammer auftretenden mondsichelförmi
gen Exsudate her. Auch betrachtete man die
Krankheit als eine rheumatische, bei welcher
die Anfälle des Uebels sich ebenfalls nach
dem Wechsel des Mondes richten sollten
(Mondfluss [ 89 8. 301]). Diesen Zusammen
hang suchte Val. Trichter (1716 [ 10 ])
durch den Einfluss des Mondes auf die
Hautdünstung zu erklären: eine Auffassung,
welcher schon Leb 1 ane sehr bald entgegen
trat. In schlechten Stall- und ungünstigen
Witterungsverhältnissen, im Trinkwasser, im
Putter etc. hat man die Ursache vermuthet;
vom Körnerfutter ( ss S. 117) nahm man an,
dass es die Entwicklung der periodischen
Augenentzündung begünstige. Schwarz-
necker ( 63 8. 52) vermeinte die Schädlich
keit in gewissen Bodenarten (Thonboden),

bezw.in den auf denselben gewachsenen Futter
stoffen (Heu) suchen zu müssen und gelangte
zu dieser Annahme auf Grund von Erfah
rungen, welche er in elsass-lothringischen
Garnisonen gesammelt, wo die periodische
Augenentzündung in erschreckender Weise
unter den Militärpferden auftrat und erst
wieder verschwand, als die auf Thonboden
gelegenen Ortschaften von der Heulieferung
gänzlich ausgeschlossen wurden. Da sich aber
die Ursache selbst im Putter nicht nach
weisen liess, so gelangte Schwarznecker
schliesslich zu der Auffassung des Dario
Vigezzi f 54 ), dass die periodische Augen
entzündung des Pferdes jenen Krankheiten
zuzurechnen sei, welche durch pflanzliche
Mikroorganismen (Bacterien) verursacht wer
den. Dario Vigezzi war es gelungen, in ein
zelnen Fällen von Sclero-Iridochorioiditis
specifica einen „Ophthalmococcus“ zu züch
ten, welcher, gesunden Thieren ins Auge
verimpft, Entzündungen hervorzurufen be
fähigt ist. Dagegen hatten Eversbusch
u. A. ( 10 8. 66) vergeblich nach Mikroorga
nismen gesucht. Dupuy ( 65 ) glaubte die Ur
sache zur Augenentzündung in dem Umstande
gegeben, dass bei gewissen Pferden die Nerven
der Backenzähne des Vorderkiefers (Zweige
vom II. Ast des N. trigem.) gedrückt und
gereizt würden, wenn die Wurzeln dieser
Zähne bei ihrer vollständigen Entwicklung
im vierten Jahre sich bis an die Nerven ver
längerten. Chabert und Chelchowsky
( S6 ) traten dafür ein, dass die Krankheit
durch den Druck des Geschirres auf die Häls-
gefässe veranlasst werden könnte. Die Beob
achtung, dass häufig Fohlen, welche von durch
periodische Augenentzündung blind gewordenen
Eltern abstammten, ebenfalls blind wurden,
legte den Gedanken nahe, dass die Anlage
(Disposition) zu der Krankheit erblich sei,
und dass eine Prädisposition bestimmter
Rassen oder Körperformen bestehe. Trotz
vieler einer solchen Annahme entgegenge
setzten Erfahrungen, welche namentlich in
Frankreich in dieser Hinsieht gemacht worden
sind, konnte man sich bisher von dem Ver
erbungsgedanken noch nicht gänzlich frei
machen.
In Frankreich hatte besonders Mariot
Didieux ( 67 ) die Erfahrung gemacht: 1. Dass
in Gegenden, in welchen der Boden aus
Thon besteht, die meisten der gehaltenen
Pferde blind sind, und dass neu eingeführte
Pferde, ohne Rücksicht auf ihr Alter, inner
halb weniger Jahre von der periodischen
Augenentzündung befallen werden; 2. dass
sehr oft dieser Augenkrankheit 1 bis 6 Mo
nate früher ein Magen-Darmkatarrh voraus
geht; 3. dass die Erblichkeit keine Rolle
spielt. Ich (*°) habe die krankhaft veränderten
Augen von 24 Pferden einer genauen mikro
skopischen Prüfung unterzogen und in einer
Reihe von Fällen, auch in solchen, in welchen
offenbar periodische Augenentzündung bestan
den hatte, und selbst bei einem blindgebore
nen Fohlen, als Ursache der Erkrankung mikro
skopisch kleine thierische Parasiten festge

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