Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Zehnter Band (Stall und Stallbau - Verbrennen)
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stellt. An der Hand dieser Untersuchungen
und der Literaturangaben über das Vorkom
men makroskopisch wahrnehmbarer Parasiten
in Augen gelangte ich zu den nachstehenden
Schlussfolgerungen über die Astrologie der
Augenerkrankungen:
Die meisten inneren Augenentzündungen
des Pferdes, insbesondere auch die periodi
sche Augenentzündung (Mondblindheit) sind
parasitären Ursprunges. —- In der Begel sind
es thierische Parasiten, welche die Augen
krankheiten verursachen. Diese Parasiten
können Trematoden (Distomen und Distomen-
entwicklungsformen), Platoden (Cysticercen)
oder Nematoden (Bhabditiden, Filarien) sein
und werden entweder (selten) als makro
skopisch wahrnehmbare oder (in den meisten
Fällen) als mikroskopisch kleine Würmer an
den pathologisch veränderten Stellen des
Auges angetroffen. Wo die Aufnahme der Para
siten stattfindet, ist unbekannt, ebenso wie die
Entwicklung dieser Würmer. Wahrscheinlich
bilden Wasser, Futter und Weide die Infec-
tionslocalitäten. — Die periodische Augen
entzündung ist nicht erblich vom Hengste
her. Von der Stute aus kann, gleichviel ob
sie selbst augenleidend ist oder nicht, eine
Infection der Nachkommenschaft stattfinden.
— Bei hochgradigen chronischen Verände
rungen ist wahrscheinlich in den meisten
Fällen auch dann, wenn kein Parasit im
Auge gefunden wird, das Augenleiden den
noch auf die frühere Gegenwart von thieri
schen Parasiten zu beziehen. -- Bestehen
neben Veränderungen des inneren Auges
Corneawunden oder Narben, so sind in ätio
logischer Beziehung auch die ersteren theils
traumatischen Einwirkungen, theils dem Ein
flüsse pflanzlicher Mikroorganismen zuzu
schreiben.
Die klinischen Erscheinungen und
den Verlauf der Mondblindheit des Pferdes
schildert Möller ( 10 p. 77—82) wie folgt:
„Die Mondblindheit setzt plötzlich mit Beiz
erscheinungen, grosser Lichtscheu und Thrä-
nenfluss ein. Das Auge wird durch seinen
Grundmuskel zurückgezogen und liegt tiefer
in der Orbita. Oeffnet man die dauernd ge
schlossenen Augenlider (Blepharospasmus),
so entleert sich ein Strom von Thränenflüssig-
keit. Die Conjunctiva zeigt leichte Schwel
lung und diffuse Böthung. Durch Injection
der Episcleralgefässe erscheint ein etwa
0 8 mm breiter, hellrother Saum um die
Cornea (pericorneale Injection). Eine zu
nächst nur an ihren Bandbezirken schwache,
diffuse Trübung breitet sich bald über die
ganze Hornhaut aus. Die Cornea erscheint
fettig. Diese Erscheinung beruht anfangs auf
einer Veränderung des Endothels, in der
Begel nimmt jedoch auch die Eigenschicht
(pars scleralis) der Cornea Antheil an der
Erkrankung, so dass sie eine intensivere dif
fuse Trübung erfährt und nicht selten in
wenigen Tagen vom Bande her vascularisirt.
Zuweilen beobachtet man eine opalescirende
Färbung ihrer Oberfläche. Die Pupille ist
stark verengt, bildet oft nur noch einen

schmalen Spalt. Die Iris erscheint an ihrer
vorderen Fläche rauh, weniger glänzend,
heller gefärbt, zuweilen mit einem grauen
Exsudat bedeckt, ihre Gefässe stark injicirt.
Bayer fand an einem sog. Glasauge die sonst
weisse Iris von schwefelgelber Farbe (Eiter).
Der Ciliartheil der Iris zeigt sich oft vorge
wölbt; ihre Bewegungen erfolgen auf ver
schiedene Lichteinwirkungen träge, langsam
und schwach, auch im Dunklen kommt keine
regelmässige Erweiterung zu Stande. Am
Boden der vorderen Augenkammer findet
sich ein graugelbes, theils sedimentartiges,
theils in Flocken auftretendes Exsudat ein,
das zuweilen mit Blut durchsetzt ist. Die
Menge desselben wechselt; auf der Höhe der
Krankheit wird häufig fast die ganze Vorder
kammer mit solchen Exsudatmassen angefüllt.
In den Anfangsstadien, namentlich bei spä
teren Anfällen treten dieselben oft nur in
geringer Menge auf und sind erst bei focaler
Beleuchtung als leichte Trübungen erkenn
bar. Im Pupillargebiete finden sich zuweilen
dem Spinngewebe ähnliche Trübungen. Durch
die ad maximum verengte Pupille erscheint
der Beflex des Augenhintergrundes dunkel
grün. Ohne Zweifel gehört diese meergrüne
Färbung der Pupille zu den Erscheinungen
der Mondblindheit, allein sie kann auch
fehlen, tritt oft nur vorübergehend auf und
kommt noch bei anderen Krankheitszuständen
des Auges vor. Ihre Ursache liegt in der
Begel in Glaskörpertrübungen oder in der
Gegenwart von hämorrhagischen Exsudaten
zwischen Aderhaut und Netzhaut. Unter Um
ständen können aber auch Trübungen der
Cornea oder des Kammerwassers diese Er
scheinung veranlassen (Glaucom). An der
Linse lassen sich bei späteren Anfällen
kataraktüseTrübungen erkennen. Instillationen
von Atropin wirken langsam schwach und
nicht gleichmässig; einzelne Bezirke des
Pupillarrandes der Iris nähern sich dem
Ciliarrande regelmässig, andere bleiben ver
engt. Diese durch Verklebung oder Verwach
sung der Iris mit der Vorderkapsel der Linse
hervorgerufene Erscheinung veranlasst eine
unregelmässige (verzerrte) Form der Pupille.
Sofern der Einblick in das Auge ungestört
und die Pupille durch Atropin erweitert ist,
lassen sich mit dem Augenspiegel schon
frühzeitig Glaskör per tr Übungen nach
weisen. Bei der Palpation zeigt sich der
Bulbus abnorm hart und schmerzhaft. Nach
dem sich diese Zustände des Auges in einigen
Tagen entwickelt haben, tritt theilweise Bück-
bildung derselben ein. Nach etwa 14 Tagen
sind die Veränderungen zuweilen so voll
ständig verschwunden, dass man bei der
Untersuchung mit unbewaffnetem Auge nichts
Abnormes entdeckt. In der Begel restiren
jedoch erkennbare Veränderungen. Die Iris
bleibt mit der Linse verwachsen, oder man
findet an der Vorderkapsel der Linse Pig-
mentationen, welche bei der Lösung der
Verklebungen von der hinteren Fläche der Iris
abgerissen wurden, die Iris behält eine hellere,
graubläuliche Färbung wie ein abgestorbenes

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