Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Zehnter Band (Stall und Stallbau - Verbrennen)
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Blatt (Leblanc). Nicht selten ist sie so weit
nach vorne gedrängt, dass ihre vordere
Fläche der hinteren Fläche der Cornea an
liegt, die vordere Augenkammer also ganz
verlegt erscheint. In der mattgrün erschei
nenden Pupille lassen sich nicht selten klei
nere oder grössere Trübungen der Linse
nachweisen. In anderen Fällen bleiben Ver
änderungen zurück, welche nur mit dem
Augenspiegel ermittelt werden können, na
mentlich Glaskörpertrübungen und Netzhaut
ablösungen. Bei starker Erweiterung der
Pupille lassen sich die ersteren auch ohne
Spiegel erkennen, indem bei zweckmässiger
Beleuchtung im Hintergründe des Auges
flockige oder schleierförmige Trübungen so
wie Netzhautablösungen hervortreten. Der
Bulbus zeigt oft schon nach dem ersten An
falle eine ungewöhnliche Weichheit. — Nach
Ablauf der acuten Entzündung, die in der
Regel 2—3 Wochen, nach Schwarznecker
8—10 Tage, in Anspruch nimmt, kann das
Auge Monate und selbst Jahre hindurch von
neuen Anfällen verschont bleiben; meist aber
tritt nach etwa 4—6 Wochen ein zweiter,
dritter u. s. w. Anfall auf, bis das Auge zer
stört ist. Erblindung stellt sich oft schon
früher, u. zw. infolge Trübung der Linse und
des Glaskörpers oder durch Zerstörungen in
der Netzhaut ein, in den meisten Fällen durch
beide zugleich. Der Augapfel nimmt an Um
fang allmälig ab: eine Erscheinung, welche
mit den Schrumpfungsvorgängen im Uveal-
tractus und Glaskörper im Zusammenhange
steht: auch scheint die Sclera dabei bethei
ligt zu sein. Die pralle Füllung des Bulbus
verschwindet, er fühlt sich weicher an und
tritt infolge der Verminderung seines Um
fanges in die Augenhöhle zurück; hierdurch
wird am oberen Augenlid die Bildung deut
licher Falten, oft auch eine Knickung ver
anlasst. — Doch zeigen die Erscheinungen der
Mondblindheit mancherlei Verschiedenheiten,
welche vornehmlich von dem Sitze der haupt
sächlichsten entzündlichen Erkrankung ab
hängig sind. — Das Leiden kann sich auf
ein Auge beschränken; oft aber wird nach
erfolgter Zerstörung des einen auch das an
dere ergriffen. Selten erkranken beide Augen
zu gleicher Zeit.“
Die pathologischen Veränderun
gen, welche an den Augen der mit der
Mondblindheit behafteten Pferde nachzu
weisen sind, können dem Charakter und dem
Grade der Krankheit entsprechend recht
mannigfaltig sein. Im Beginne ihrer Ent
wicklung stellt sie hauptsächlich eine Ent
zündung der gesummten Regenbogen- und
Aderhaut (Iridochorioiditis) — Phlegmone des
Uvealtractus (Möller) — dar und kann schon
von vorneherein andere oder allmälig sämmt
liche Theile des Auges in Mitleidenschaft
ziehen.
Die Cornea betheiligt sich oft primär
in Form entzündlicher diffuser Trübung; in
hochgradigen Fällen findet man Rundzellen
in der Hornhaut, u. zw. sowohl zwischen
Epithel und eigentlichem Hornhautgewebe als

auch in ihren Lymphspalten (* 3 S. 38 u. 39).
Es besteht mehr oder weniger starke Inten
tion der pericornealen Gefässe. Zu Perfora
tionen des Augapfels kommt es bei der
periodischen Augenentzündung nicht; infolge
dessen weisen ähnliche Erkrankungen bei
gleichzeitiger Anwesenheit von Corneanarben
auf einen traumatischen Ursprung mit oder
ohne Betheiligung pflanzlicher Parasiten hin.
Die mittlere Augenhaut befindet sich
während des entzündlichen Anfalles im Zu
stande der entzündlichen Schwellung, Hyper
ämie, Infiltration und, was speciell die Be
theiligung der Aderhaut betrifft, so ist die
selbe vorwaltend auf den vorderen Abschnitt
concentrirt, namentlich auf die Gegend des
Ciliarkörpers. Die mikroskopische Untersu
chung ergibt, dass Regenbogenhaut, Ciliar
körper, Chorioidea und Netzhaut sammt ihren
Gelassen mit zahlreichen Leukocyten ange
füllt sind ( 10 8. 83). Die Iris ist verengt,
manchmal total geschlossen, und hat im Be
ginne der Exsudation ihren früheren Glanz
mit einer mehr schmutzigen Färbung ver
tauscht, zugleich verschwinden die sog.
Structurfalten, die Lücken und Furchen,
welche man sonst an der Iris zu sehen ge
wohnt ist, bei noch stärkerer Schwellung
entstehen circulär verlaufende Falten. Na
mentlich auf der Vorderfläche, aber auch auf
der hinteren und am Pupillarrande der Iris
lässt sich ein trüber, weisslicher Belag fest
stellen, in der vorderen oder hinteren Augen
kammer trifft man erst eine geringe Trü
bung des Kammerwassers, später graue oder
weisse Flocken und Fäden und bei ganz
schweren eiterigen (I. suppurativa) oder fibri
nösen (I. fibrinosa) Entzündungen graugrün
lich oder gelblich erscheinende Exsudate,
mit welchen dann die Iris ebenfalls bedeckt
ist. Häufig enthalten diese Massen mehr
oder weniger erhebliche Blutbeimischung. In
chronischen Fällen (Iritis chron.) ist der Iris
rand fetzig, die Traubenkörner sind oft ver
schwunden; manchmal ist die Pupille total
geschlossen, indem oberer und unterer Rand
der Iris, früher nur verklebt, miteinander
verwachsen sind; mitunter finden sich an
Stelle der Pupille noch eine oder mehrere,
durch Irisgewebe von einander geschiedene
kleine Oeffnungen (Colobom) und die hintere
Fläche der Iris ist mit weisslichem Narben
gewebe bedeckt; manchmal sind die Ränder
der Iris zurückgezogen und bilden eine
dicke, strangartige wulstige Masse. Mehr
oder weniger umfangreiche Verwachsungen
mit der hinteren Fläche der Cornea oder
mit der vorderen Linsenkapsel bilden eine
gewöhnliche Erscheinung.
Zwischen Glaskörper und Ciliar
körper treten oft flockige Massen auf.
Im Glaskörper finden sich partielle,
mehr oder weniger diffuse oder herdförmige
weissliche Trübungen; oft ist der ganze
Glaskörper verflüssigt und die Flüssigkeit
mehr oder weniger trübe, bald wässerig,
bald von öliger Consistenz, bald auch blutig
oder mit weissen Flocken oder mit Sand

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