Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Zehnter Band (Stall und Stallbau - Verbrennen)
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körnchen untermischt, mitunter überaus reich
an Kochsalz. Die Glaskörperflüssigkeit scheint
durch die Netzhaut hindurch zu diffundiren,
denn diezwischen Chorioidea und Retina
unter pathologischen Verhältnissen ange
sammelte Flüssigkeit scheint, wenn der Glas
körper zugleich verflüssigt ist, mit den
Eigenschaften des letzteren gewöhnlich über
einzustimmen. Im fiebrigen kann das Exsudat
der Chorioidea sowohl eiteriger, als auch (sehr
selten) fibrinöser Natur und oft mit Blut
untermischt sein. In chronischen Fällen finden
namentlich in der Nähe des Ciliarkörpers innige
Verwachsungen zwischen Chorioidea und Retina
statt, diese Verwachsungsstellen erscheinen
graublau und pigmentarm und das Entzün-
dungsproduct, welches die Verbindung zwi
schen diesen Häuten des Auges bewerkstel
ligt, schliesst mitunter noch zahlreiche kleine
(bis hirsekorngrosse) Sandkörnchen ein. Selten
ist die Chorioidea theilweise (in der Nähe
der Pupille) oder gänzlich verknöchert. Bei
weit vorgeschrittenen Veränderungen des
Augeninnern besitzt das Tape tum eine
graugrüne, glanzlose und trübe Beschaffenheit.
Die Retina besitzt manchmal herd
förmige Trübungen, ist theilweise oder im
hinteren Theile des Augapfels so weit von
der Chorioidea abgelöst, dass sie nur noch mit
der Papille in Verbindung steht; dann stellt
sie eine Membran dar, welche den Ciliar
körper plattenartig bedeckt, die von dem
selben gebildete Oeffnung überspannt und als
dünner Strang durch die Glaskörperflüssigkeit
hindurch nach der Papille hinzieht. Der Strang
löst sich später derart auf, dass der Papille
noch eine kleine Warze als Rest der ehemaligen
Retina aufsitzt, mit welcher eine warzenartige
Erhebung an der gegenüberliegenden Retina
masse correspondirt. Und schliesslich ver
schwindet noch der der Papille aufstehende
Retinarest, so dass die letztere ganz frei zu
liegen kommt. Ausserdem kann die so dislo-
cirte Retina auch von Blutungen vielfach
durchsetzt oder von weissen, narbigen Ver
dickungen durchzogen sein. Mitunter geht
sie mit der Linse oder,, wenn die Linse zu
gleich luxirt ist, selbst mit der Hinterfläche
der Cornea Verbindungen ein. Auch Ablage
rung von Kalksalzen in die Retina oder Ver
knöcherungen in der abgelösten Membran
kommen vor, und die verknöcherte Retina
kann späterhin der Erweichung anheimfallen
( 40 8. 359). Selbst die Retina mitsammt einem
Theile der Chorioidea kann sich ablösen, eine
unförmliche, die Oeffnung des Ciliarkörpers
verschliessende Masse bilden, welche mit der
stark verkleinerten, rundlichen Pap. nerv,
opt. noch in Verbindung steht; der der Sclera
dann noch aufsitzende Rest der Chorioidea
zeigt eine grauviolette Farbe und die Retina
wird als weissgelbe, fettige, theils breiige,
theils knöchern anzufühlende Masse von der
Chorioidea eingehüllt ( 40 8. 6).
Bei umfangreichen Verödungen des
Auges wird auch der Sehnerv in Mitleiden
schaft gezogen, indem er atrophirt. Die
Papilla nervi optici büsst ihre ovale

Form ein, wird kreisrund, ausnahmsweise
nierenförmig und verkleinert sich erheblich.
Eine deutliche Aushöhlung (Excavatio) liess
sich in einem Falle feststellen ( 40 8. 356).
Oft liegen der Papille kleinere oder grössere
Reste der sonst abgelösten Retina auf, oft
ist sie ganz von der Retina entblösst.
Die Linse kann primär und secundär
erkranken und hiebei sowohl in der Kapsel,
als auch in der Linsenfasermasse oder zwischen
beiden alle diejenigen Veränderungen er
fahren, welche mit dem Namen der Katarakt
bezeichnet werden. Die mit den Starpunkten
beginnende allgemeine Linsentrübung ist offen
bar ( 4S 8. 39) in vielen Fällen auf die Ob
literation eines Theiles der Gefässe der
Regenbogen- und Aderhaut und die hiermit
verbundene allgemeine Ernährungsstörung
des Augapfels zurückzuführen, ln anderen
Fällen, wo die Linse augenscheinlich nicht
primär, sondern erst durch die Veränderungen
anderer Theile des Auges in Mitleidenschaft
gezogen wird, scheint zunächst eine gelbliche
Verfärbung des Faserkörpers einzutreten.
Später wird die Verfärbung braun und zwi
schen Kapsel und Fasern lagern sich weiss-
liche, kalk- und cbolestearinhaltige, sandige
Massen ab. Auch Schrumpfungen an der
Linsenkapsel (namentlich an der vorderen
Fläche) oder am ganzen Linsenkörper und
Luxationen der Linse in die vordere Augen
kammer oder in den vom verflüssigten Glas
körper eingenommenen Raum und selbst Ver
wachsungen mit der hinteren Wand des
Bulbus sind nicht selten. Ausnahmsweise
geht die Linse gänzlich unter, so dass
von ihr keine Spur mehr aufzufinden ist.
Bei erheblichen oder chronischen Ver
änderungen des Augeninnern ist auch der
ganze äussere Augapfel mitbetheiligt an
dem Entzündungsprocesse. Am deutlichsten
tritt dies in die Erscheinung durch Verklei
nerung (Phthisis bulbi) und unförmliche
Schrumpfungen des Augapfels. Die Sclera ist
in solchen Fällen ebenfalls in ihrer Wandung
geschwächt, in einzelnen Fällen sind die
Durchmesser der Cornea bedeutend kleiner
geworden.
In den Starpunkten der Linse, im ge
trübten Glaskörper oder in der an seine Stelle
getretenen Flüssigkeit, sowie in den Entzün-
dungsproducten überhaupt oder in der Augen
kammerflüssigkeit lassen sich die mikroskopisch
kleinen Entozoen auffinden.
Eine Irido-Cyclo-Chorioiditis, wel
che mit der Mondblindheit der Pferde grosse
Ähnlichkeit hat, ist bei Rindern wieder
holt beobachtet worden, so von Claus ( 11S ),
Kaiser ( 1,s ), David (""), Kowalewski ( 101 ),
Bräu er (") u. A. Ersterer sah eine 4 Jahre
hindurch alle 2—3 Monate recidivirende,
durch Lichtscheu, Thränenfluss, Schmerz
haftigkeit und flockiges Exsudat in der vor
deren Augenkammer ausgezeichnete Augen
entzündung bei einem Ochsen, welche erst
das eine und später auch das andere Auge
ergriff. Lichtscheu, heftige Conjunctival-
reizung und in der vorderen Augenkammer

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