Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Zehnter Band (Stall und Stallbau - Verbrennen)
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ein gelblich aussehendes Exsudat, das die
Pupille fast verdeckte, sah Kowalewski bei
einer Kuh, welche zugleich an starker Appetit
verminderung und verzögerter Kothentleerung
litt. Die Ursachen des oft epizootisch auf
tretenden Leidens sind bisher unbekannt.
Durröchou ( 9i S. 317) beobachtete ein
mal eine durch Pilaria papillosa hervorge
rufene, recidivirende, innere Augenentzündung.
Da ich durch neuere, noch nicht publieirte
Untersuchungen zu dem Schlüsse gekommen
bin, dass diese epizootische Angenerkrankung
des Rindes mit der sog. infectiösen Kera
titis des Rindes (Augenstaupe) in aetiologischer
Hinsicht identisch zu sein scheint, so füge
ich, ohne auf die letztere näher einzugehen,
nur die Literatur beider Krankheiten bei.
Neubildungen am U vealtractus.
Hyperplasien und Hypertrophien
der Traubenkörner können in solcher Ent
wicklung vorkommen, dass sie hochgradige
Sehstörungen verursachen(Eversbusch, Pal
lin). Cystenbildung an den Trauben
körnern ( 17 II. Abth., Taf. VI., Fig. 8) oder
cystoide Degenerationen am Irisge
webe überhaupt ( 9 8. 83) kommen eben
falls zur Beobachtung. Lipome und Sar
kome ( ,68 u. 9 8. 83) können an der mitt
leren Augenhaut angetroffen werden, sowie
vom Ciliarkörper ausgehende Myome ( 40 8.353).
Bayer bildet (" II. Taf. XII., Fig. 2) vom
Pferdeauge ein Sarkom ab, welches er
folgendermassen beschreibt: „Das Auge war
stark vergrössert, konnte von den Lidern
nicht mehr gedeckt werden und wurde exstir-
pirt. Zwischen Sclera und Chorioidea befindet
sich eine hirnähnliche Masse; ferner sitzt
auch ein gleichartiger erbsengrosser Tumor
am Sehnerveneintritte. Der Glaskörper ist in
eine röthlichbraune, von lichten Strängen durch
zogene, sulzige Masse umgewandelt. Die ge
trübte und braun gefärbte Linse ist nach vorne
bis an die Hornhaut gedrängt. Vom Ciliarkörper
und der Iris sind nur Reste zu erkennen.“
Iritis tuberculosa hat Matthieu ( ,69 )
bei Kühen wiederholt gesehen. „Die Krank
heit begann mit leichtem Thränenfluss, nach
einiger Zeit änderte die Iris ihre Farbe, sie
wurde mehr grau, die Irisoberfläche uneben
und näherte sich der Cornea, die Pupille ver
engerte sich und schwand schliesslich ganz. In
diesem Stadium waren die Schmerzen be
deutend, der Thränenfluss reichlich, die Lider
geschlossen, die Iris erhielt einen gelblichen
Reflex, besonders an den vorspringenden
Punkten (wo die tuberculösen Stellen waren).
Die Cornea blieb meist unverändert. Die
Section ergab, dass die Iris, graugelblich
gefärbt, bedeutend verdickt und uneben,
viele Tuberkel enthält.“ Oft sind die durch
Tuberkelbacillen verursachten Verdickungen
der Iris so bedeutend, dass sie die ganze vor
dere Augenkammer ausfüllen (Eversbusch).
Ripke ( 171 ) beobachtete in einem Auge
einer hochgradig tuberculösen Kuh einen
haselnussgrossen und mehrere erbsengrosse
tuberculöse Herde, welche anscheinend von der
Koch. Encyklopädie d. Tliiorheilkd. X. Bd.

Chorioidea ihren Ausgang genommen und
die an den Berührungsstellen nicht getrübte
Linse zur Seite gedrängt hatten und bis in
die vordere Augenkammer reichten, in wel
cher sie als fleischfarbener Schimmer schon
während des Lebens der Kuh bemerklich
waren. Die tuberculöse Augenerkrankung bei
Rindern kann mitunter als diagnostisches
Hilfsmittel zur Erkennung der Tuberculöse
überhaupt dienen. Hess (*’*) fand bei Tuber-
culose der Iris und Chorioidea auf der in
neren Seite der Iris einen dünnen fibrinösen
Belag, Trübung der Cornea, des Kammer
wassers, des Glaskörpers nebst bedeutender
Schrumpfung des ganzen Augapfels.
Chorioiditis malleosa. In einem Falle
von eitriger Chorioiditis des Menschen führte
v. Gräfe den Process auf Infection durch
Rotzgift zurück ( 17S 8. 265).
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richt über das Veterinärwesen im Königreich Sachsen
im Jahre 1881, Dresden 1882. — 28 Lohnert, Influenza,
Bericht über das Veterinärwesen im Königreich Sachsen
im Jahre 1881, Dresden 1882, 8. 107. — 29 Pröger,
Influenza, Ibidem, S 108. — 30 Hinter, Influenza,
Ibidem S. in. — 31 Uhlig, Influenza, Ibidem, 8. 110. —
32 Dieckerho ff, Die Staupe der Pferde (Influenza),
37

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