Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Zehnter Band (Stall und Stallbau - Verbrennen)
PURL:
http://viewer.tiho-hannover.de/viewer/image/PPN671000462/591/
an Kühen und Kälbern am Bauch und Bücken,
um frische Lymphe zu gewinnen (s. Vaccine).
Die von Alibert, Tessier, Valoix, Godine,
Husson, Lienard gegen die Schafpocken em
pfohlenen Vaccinationen haben sich nach
den Versuchen von Voisin, Verrier, Gohier,
Hurtrel d’Arboval u. A. nicht bewährt, indem
die Vaccination die Schafe entweder gar
nicht gegen die natürliche Schafpocke schützt
oder aber eine allgemeine Pockeneruption
zur Folge haben kann. Ebenso wenig Nutzen
bringt die von Sacco empfohlene Vaccination
junger Hunde gegen die Staupe. Nach den
Versuchen von Gohier, Valentin, Nauche,
Hurtrel d’Arboval u. A. schützt die Vaccination
die Hunde keineswegs gegen die Staupe. Die
Vaccination behält daher ihren Werth nur
für Menschen als Schutzimpfung.
Alle Schutzimpfungen auch mit anderen
Ansteckungsstoffen wie Milzbrand, Bothlauf,
Hühnercholera, Kauschbrand, Hundswuth,
Lungenseuche etc. Vaccination zu nennen, wie
es in Frankreich geschieht, ist unpassend
und kann zu irrthümlicher Auffassung Anlass
geben (s. Impfen). Semmer.
Vaccine, vaccin (von vacca, Kuh) Kuh
pockenlymphe, wurde zuerst 1796 von Jenner
zu Schutzimpfungen gegen die natürlichen
Blattern bei Menschen angewandt. Man impft
entweder direct von der Kuh mit der sog.
originären Vaccine oder von Mensch auf
Mensch mit der humanisirten Vaccine. Ob
gleich die Kuhpocken nicht ganz selten vor
kommen (1877 wurden in Dänemark 436 und
1878 circa 581 Fälle von Kuhpocken, in
Württemberg 1873 39, 1874 28, 1875 23 Fälle
beobachtet), so gebricht es doch zuweilen an
dem nöthigen Impfmaterial. Um solches Ma
terial zu beschaffen, wurde zuerst von
Husson, Duquenelle und Hering die Impf
pocke vom Menschen zurück auf die Kuh
übertragen (Ketrovaccination). Numan über
trug die Menschenblattern durch Impfung
auf Binder und Pferde und Bousquet impfte
mit Erfolg Kühe mit originärer Kuhpocken
lymphe (animale Vaccination). Sacco empfahl
besonders zur Vermeidung der Gefahr einer
Uebertragung anderer Krankheiten (Syphilis,
Tuberculose) mit humanisirter Vaccine die
Ketrovaccination an Bindern und die aus
schliessliche Anwendung von animaler Vac
cine, Negri die animale Vaccination an Bin
dern zur Gewinnung guter gefahrloser Pocken
lymphe. Das Negri’sche oder neapolitanische
Verfahren wurde durch Lacroix in Paris,
Siegmund in Basel eingeführt und bald auch
nach Brüssel, Berlin und andere Städte und
Länder verpflanzt. Zur Gewinnung guter
Vaccine werden Impfungen an 3—6 Monate
alten Kälbern mit Kuhpockenlymphe ange
stellt. Es werden dazu gesunde und aus ge
sunden Heerden stammende Kälber ausge
wählt, denen man die Haare am Eauche oder
noch besser am Bücken auf einer grösseren
Fläche abrasirt und nachdem man die rasirte
Stelle gründlich abgewaschen und desinflcirt
hat, diese mit 50—200 Impfstichen versieht.
Am 5.—6. Tage nach der Impfung entnimmt

man aus den entwickelten Pocken die klare
durchsichtige Lymphe und saugt dieselbe in
kleine Haarröhrchen oder bewahrt sie zwi
schen Glasplatten luftdicht verschlossen auf.
Zur besseren Conservirung der Lymphe
können Zusätze von Glycerin, Salicylsäure,
Thymol, Kochsalz zu derselben gemacht wer
den. Auch eingetrocknet conservirt sich die
Pockenlymphe gut. Die trockene Lymphe
wird bei der Impfung in Glycerin gelöst.
Seltener wird zur Gewinnung der Vaccine
eine Variolisation oder Impfung der Kälber
mit Blatternlymphe ausgeführt. Culturen der
Mikroorganismen der Vaccine in künstlichen
Nährlösungen haben wenig befriedigende Be-
sultate geliefert. Die von Cohn, Ballier, Keber,
Toussaint, Coze, Felz, Luginbühl, Erismann,
Semmer, Baupach u. A. constatirten Mikro
kokken, die von Einigen als specifisch den
Pocken eigenthümlich, von Andern nur als
zufällige Beimengungen, die nichts mit dem
Pockencontagium zu thun haben, betrachtet
werden, schwächen sich bei künstlichen Cultu
ren schnell ab und sind nach Gutman stets mit
Eiterkokken (Staphylococcus pyogenes aureus,
cereus, albus. Huorescens) verunreinigt. Sr.
Vaccinella (Demin. von vaccina, die Kuh
pocke), die falsche oder unechte Kuhpocke.
Anacker.
Vacciniaceae, Vaccinicae, Heidelbeer-
gewüchse. Kleine in der gemässigten und
selbst kalten Zone wachsende, bis auf hohe
Gebirge steigende Sträucher, besonders auch
in Wäldern vorkommend, mit wechselständi
gen immergrünen oder abfallenden Blättern, in
einzelnen, mehreben oder in Trauben stehenden
Blüthen, mit Beeren (früher Bacciniaceen ge
nannt) und unterständigem Fruchtknoten.
Am bekanntesten ist
Vaccinium Myrtillus, gemeine Hei
delbeere, Blaubeere, Bickbeere, Kronbeere
mit kleingesägten kahlen Blättern, kugeliger
Blumenkrone, eingetheiltem Kelchsaum, ein
zelnen Blüthenstielen, röthlichgrüner Blüthe
und scharfkantigen Zweigen. Die allgemein
bekannten Beeren, Fructus My rtilli (Baccae
myrtillorum), sind grosserbsengross, schwarz
und blaubereift, ihr dunkelpurpurrother Saft
schmeckt säuerlichsüss, zugleich etwas herbe
und wird die Frucht wegen ihres Gehaltes
an l'66°/ 0 freier Aepfel- und Citronensäure,
Gerbsäure (in der Fruchthaut), S°/ 0 Zucker,
Pectin u. s. w. auch für medicinische Zwecke,
meist aber als angenehmes Hausmittel gegen
Diarhöen (eine Hand voll trocken gekaut)
oder für Thiere auf dem Futter gebraucht.
Aehnliche adstringirende Wirkungen haben
auch die Preiselbeeren, s. d., die Vogelbeeren
(Fructus Sorbi aucupariae), die Schlehen (Fruc
tus Acaciae germanicae). Ausserdem dienen
die Heidelbeeren zur Bereitung eines ge
schätzten Branntweines, einer sehr dauerhaften
Blaufarbe und zum Färben von Weisswein.
Mit Heidelbeersaft gefärbten Wein erkennt
man daran, dass er auf Zusatz von 8%
Mangansuperoxyd und nachheriges Filtriren
statt wie bei Naturweinen eine blass stroh
gelbe jetzt eine gelbbraune Farbe erhält.

Anschrift

Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover
Hochschulbibliothek
Bünteweg 2
30559 Hannover
Kontakt

Tel.: +49 511 953-7100
Fax: +49 511 953-7119

E-Mail senden


Datenschutzerklärung

Partner

:
version: intranda viewer - a0c7c66