Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Zehnter Band (Stall und Stallbau - Verbrennen)
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Vaccinium Vitis idaea, die Preisel
beere oder rothe Heidelbeere, Kronsbeere,
hat rothe Beeren, blüht weiss oder röthlich
und zeigt glockige Blumenkronen; die Blätter
sind immergrün, unterseits punktirt. Sie
wächst in Wäldern und auf Heiden und ist bis
in die Alpen hinauf anzutreffen. Sie enthält mehr
freie grösstentheils Citronensäure (2'35°/ 0 ),
weniger Zucker (P55%) und kann wegen des
angenehmen herbsäuerlichen Geschmacks als
Volksmittel wie die Heidelbeeren verwendet
werden. Dasselbe gilt von
Vaccinium uliginosum, der Bausch
beere oder grossen Heidelbeere, welche wie
die vorige in bergigem Terrain, aber auch
auf sumpfigem Boden vielfach vorkommt, viel
zur Torfbildung beiträgt und auch unter dem
Namen schwarze Sumpf- oder Morastbeere
bekannt ist. Die Blätter sind ganzrandig, die
Blüthenstiele stehen zu 2—3, die Zweige
sind stielrund, die Blüthen weiss oder röthlich.
Die schwarzen Bauschbeeren sind essbar,
etwas fade schmeckend und besitzen nar
kotische Wirkung, welcher sie wohl auch
den Namen verdanken. Auf Moorgründen
und Dorfsümpfen kommt auch
Vaccinium oxycoccos, die rothblü
hende Moosbeere mit ihren weithin krie
chenden Aesten und Stengeln vor, welche
noch mehr Säure enthält und auch als
Sauerbeere bekannt ist (Kraus- oder Krä
henbeere). Sämmtliche genannte Vaccinien
überziehen oft grosse Landstrecken bis in die
Beginn der Alpenkräuter hinauf, kommen
daher auch als Weidekräuter in Betracht
und veranlassen, von den Thieren in grösserer
Menge, namentlich in Wäldern, aufgenommen,
vermöge ihres Gehaltes an Säuren und Gerb
stoff, sowie des Gehaltes der dazwischen
wachsenden Kräuter an scharfen Stoffen jenen
Symptomencomplex, der als Waldkrankheit
(s. d.) bekannt ist. Entzündliche Beizungen der
Verdauungswege, der Nieren, Blutharnen u. dgl.
(nicht aber Hämoglobinurie) erzeugen in der
selben Weise auch manche Ericaceen, dann
der Ginster (Genista), der Besenstrauch
(Spartium scoparium) u. a. Vogel.
Vacciola (von vaccina, die Kuhpocke),
die ursprüngliche Kuhpocke. Anacker.
Vaciilatio (von vacillare, schwanken),
das Schwanken, das Nichtfeststehen. Anr.
Vacuatio (von vacuus, leer, ledig), die
Entleerung. Anacker.
Vadkert, ungarisch = Wildgarten, Wild
park, Thiergarten. Grassmann.
Vaggas-Schaf, s. Fagas-Schaf.
Vagina, die Scheide (s. d.), die Blatt
scheide. Anacker.
Vaginalcysten, dasselbe sind Betentions-
cysten infolge Verstopfung des Ausführungs
ganges der seitlich vom Scheidenvorhofs in
der Tiefe der Schamlippen ihren Sitz haben
den Bartholinischen Drüse der Kuh.
Die Geschwulst sitzt fast immer in der linken
Scheidenwand und wird bis zwei mannsfaust
gross, täuscht einen Prolapsus der Scheide
oder der Harnblase vor. Die Vaginalcysten

sind bereits näher unter dem Namen „Blasen
cysten“ (s. d.) beschrieben. Sie kommen
keineswegs selten vor, werden durch Inci-
sion entleert und dadurch beseitigt. Ausser
bei Kühen finden sich diese Cysten auch beim
Weibe (s. Bartholinische Drüsen). Freytag.
Vaginale Einspritzungen dienen aus
schliesslich zum Zwecke der localen Ein
wirkung bestimmter Arzneimittel auf die
Schleimhaut der Scheide, eine Besorption,
d. h. Allgemeinwirkungen will man damit
nicht erzielen. Es handelt sich hiebei vor
nehmlich um Bekämpfung entzündlicher,
katarrhalischer Zustände im Vaginalrohre, um
Heilung von Verwundungen, um Entfernung
pathologischer Producte, Desinfection. Die
früher hiezu verwendeten Instrumente, wie
Zinnspritzen, Ballonspritzen, Kautschukklyso-
pumpe u. s. w. sind grösstenteils oder ganz
ausser Gebrauch gekommen und jetzt allge
mein durch mehr praktische Apparate ersetzt
worden, welche nicht bloss einfacher constrnirt
sind, sondern auch den Vorzug besitzen,
einen gleichmässigen und zugleich regulir-
baren Strahl zu liefern. Am zweckmässigsten
benützt man den gewöhnlichen, vorher gut
desinficirten Wundirrigator, an dessen
vorderem Ende ein Mundstück von Hart
gummi angebracht ist; ein Zwischenstück mit
verschliessbarem Hahn ist unnötig, der
Beinhaltung der Böhre aber desto grössere
Sorgfalt zuzuwenden. Das Eintrichtern der
Flüssigkeit geschieht am besten bei stehen
den Thieren, auch soll der Schlauch nicht tief
eingeführt werden. Sollen die Injectionen
dem Thierbesitzer überlassen bleiben, muss
ihm die Procedur gezeigt und namentlich die
Medianlinie gut eingehalten werden.
Bei Scheidenirrigationen für Beinigungs
zwecke genügt reines lauwarmes Wasser, im
fiebrigen können sämmtliche antikatarrhalische
und antiseptische Mittel in entsprechender
Verdünnung zur Anwendung kommen, insbe
sondere Tannin oder gerbstoffhaltige Decocte.
Von der reinen Gerbsäure nimmt man für
die Schleimhäute %—2%ige Lösungen, die
letzteren Abkochungen sind 5—10°/ o ig. Des
gleichen sind auch die Solutionen von Carbol
säure, Kreolin, Lysol %—2%ig, nur in Aus
nahmsfällen, wie nach Schwergeburten, bei crou-
pösen, ulcerösen Processen 3—5%ig. Sublimat
ist das kräftigste Injectionsmittel und reicht
schon das Verhältniss 1: 5000 Brunnenwasser
(mit 10 g Kochsalz) für gewöhnlich aus, bei
energischer Desinfection wird 1: 2000 ge
nommen und zuletzt mit reinem, lauem Wasser
nachgespült. Zu milderen Lösungen verwendet
man Borsäure, chlorsaures Kalium, Alaun,
Kaliumpermanganat zu 1—3%, Salicylsäure
'/, %, bei Blutungen den Liquor Ferri sesqui-
chlorati zu 1—2 %, bezw. Austamponiren mit
styptischer Baumwolle. Vogel.
Vaginalschleim, s. Lochien.
Vaginitis (vagina, die Scheide) =
Kolpitis (xo'Xito;, Scheide, und Bis), Ent
zündung der Scheide weiblicher Thiere, eine
gewöhnlich ziemlich bedeutungslose Krank
heit unserer weiblichen Thiere; die Krank-

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