Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Zehnter Band (Stall und Stallbau - Verbrennen)
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wurde aber sehr bald durch Verkauf sowie
Vertheilung von Pferden an die Bauern auf
etwa 230 Köpfe herabgemindert. Um aber
die Zucht möglichst umfänglich zu betreiben,
wurden ausser den 60 Gestütsstuten noch
10 bis 12 Ackerstuten der Gutswirthschaft zu
Torgel den Hengsten zugeführt. Es wurde
jetzt bunt durcheinander gekreuzt. Die fol
gende Bedeckungsliste des Jahres 1864 weist
dies nach. Es wurden nämlich in jenem
Jahre zugeführt: dem Araberhengst: 8 Arden-
nerstuten, 5 Finustuten, 5 Klepperstuten; den
Klepperhengsten: 28 Klepperstuten, 2 Ara
ber-Klepperstuten, 8 Fionstuten, 5 Arden-
nerstuten; dem Ardennerhengst: 10 Klepper
stuten, 8 Oeseierstuten; zusammen 73 Stuten.
In ähnlicher Weise wurde von nun an
weiter gezüchtet.
Seit dem Jahre 1868 fand eine Herab
setzung der Mutterstutenheerde auf 48 Köpfe
statt, so dass in der Folge etwa 8 bis 6
Hengste und 48 Mutterstuten und 28 bis 28
Fohlen jeden Jahrgangs, im Ganzen also
bei 160 Köpfe vorhanden waren.
Der Zweck des Gestüts galt seiner Grün
dungsacte gemäss der Hebung der Pferde
zucht, insbesondere für das Bedürfniss des
Bauernstandes. Infolge dessen wurden nach
Entnahme der besten Pferde für die eigene
Zucht alljährlich, zuerst im Jahre 1861, 8
Hengste, u. zw. jedem Ordnungsbezirk jähr
lich 1 Hengst zu Beschälzwecken, vorzugs
weise zur Benützung der Bauernschaften, als
Geschenk überwiesen. Der Rest der Pferde
sollte meistbietend verkauft werden. Die erste
derartige Versteigerung geschah gleichfalls
im Jahre 1861. Es kamen 18 Pferde zum
Verkauf, für welche 1118 Rubel gelöst wurden.
Die Zahl der auf diese Weise abgegebenen
Pferde stieg bald alljährlich auf etwa 25 Stück
und die für sie vereinnahmten Preise er
reichten infolge der Beliebtheit der Torgeier
Pferde eine bemerkenswerthe Höhe, so dass
sich ihr Dnrchschnittssatz schon 1872 auf
fast ISO Rubel bezifferte. Am begehrtesten
waren die Ardenner Kreuzungsproducte. Es war
dies ein Zeichen, dass das massigere Thier den
Ansprüchen am meisten entsprach. Aber auch
die Araberklepper wurden hoch bezahlt.
Durch kräftige Ernährung der Fohlen, beson
ders im ersten und zweiten Jahr, hatte man
die Körpergrösse und Masse aller Pferde
wesentlich gehoben. Wie im Gestüt, so waren
auch in der Umgegend desselben gleiche
Zeichen wahrnehmbar. Hier hatte es eben
die Zuchtbenützung der in Torgel er
zeugten Pferde, besonders die Einmischung
des in der Ernährung bescheidenen Ardenner
Blutes zu Wege gebracht.
Unter den Beschälern, welche das Ge
stüt mit besonderem Vortheil benützte, sind
der reine Kstbe Wapsikas (s. d.), sowie der
edle Vollblutaraber Omar und der Ardenner
Bourbon besonders hervorzuheben, sie haben
viel dazu beigetragen, dass die einheimischen
Landpferde stramme, breite, ausdauernde
Klepper wurden.
Gegenwärtig (Mitte 1892) zählt das Ge

stüt bei einem Gesammtbestand von 160
Pferden 30 Hengste und 81 Mutterstuten.
Unter den Hengsten befinden sich zwei
Vollblüter: Derby und Irdisch, letzterer mit
untermischtem arabischen Blut. Die übrigen
Hengste sind Kreuzungsproducte der esth
nischen Klepper mit Ardennern und Arabern,
wie sie eben im Gestüt gezogen werden. Vier
der Hengste finden in Torgel selbst als
Hauptbeschäler Verwendung, während die
übrigen als Landbeschäler auf Deckstationen,
jedoch nur innerhalb der Provinz Livland
vertheilt werden. Die 81 Mutterstuten sind
theils wie die letzteren Hengste aus Kreu
zungen des esthnischen Pferdes mit Ardennern
und Arabern hervorgegangen, theils aber
auch reinblütige Klepper, meist in Fuchs- oder
brauner Haarfarbe. Es sind alle stramme,
untersetzte Thiere, die eine Grösse von 2 Ar
schin bis 2 Arschin 2 Werschok und darüber
(142 bis 1'51 m) besitzen. Mit dergestalt be
schaffenen Elternthieren geht das Zuchtziel
auf ein mittelschweres, kräftiges, ausdauern
des Arbeitspferd hinaus.
Die Zahl der jährlich im Gestüt gezo
genen Fohlen beträgt 40 bis 46 Stück. Es
wird somit ein recht günstiges Trächtigkeits-
ergebniss von 80 bis 90% der gedeckten
Stuten erzielt.
Vom Monat Mai bis October werden die
Pferde wie auch die Fohlen geweidet; hierzu
werden etwa 380 Dessätinen Wald- und bei
70 Dessätinen umfassende Feldweiden benützt.
Für den Winter werden sämmtliche Pferde
in sechs grossen massiven Ställen unterge
bracht. Der Boden derselben besteht aus ge
stampftem Lehm. Die hier verabreichten
Futtermengen betragen täglich für die Be
schäler 4 kg Hafer und 10 kg Heu, für die
zwei- und dreijährigen Fohlen 2% kg Hafer
und 10 kg Heu und für die im ersten Jahre
stehenden Fohlen 4 bis 3 kg Hafer und 6 kg
Heu. Für die Dauer der Deckzeit erhalten
die Hengste eine Zulage zu der genannten
Ration.
Die Ausnützung des Gestüts geschieht
jetzt nach Vollzähligerhaltung der Stamm
heerde, sowie des für die Landesgestüts
dienste aufgestellten Beschälerstandes durch
öffentlichen Verkauf in der Hauptsache der
vierjährigen Pferde, theils auch der Jähr
linge. Diese Audionen finden wie seit Anfang
des Gestüts im Juni jeden Jahres statt. Die
hierbei erzielten Preise sind in neuerer Zeit
ungefähr 200 Rubel für vierjährige Hengste,
während ebensolche Stuten im Mittel 150
Rubel bringen. Die Jährlinge kosten im All
gemeinen SO bis 60 Rubel.
Für die Güte und Leistungsfähigkeit der
in Torgel gezogenen Pferde, die im Ganzen
doch Kreuzungsproducte von Kalt- und
Warmblut sind, dürfen ausser den gross
artigen Zugleistungen des mit herculischer
Kraft ausgestatteten Wapsikas (s. d.), welche
er in Moskau und Paris ausführte, die Aus
zeichnungen sprechen, die das Gestüt auf
Ausstellungen erfuhr. Dasselbe empfing z. B.
auf der allgemeinen russischen Pferdeausstel-

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