Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Zehnter Band (Stall und Stallbau - Verbrennen)
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Die Einrichtung des Totalisators ist jeden
falls die gerechteste Wettvermittlung, die es
bisher gibt. Sie ist aber nicht ohne Weiteres
auf allen Bahnen gestattet, sondern es unter
liegt vielmehr die Inbetriebsetzung des Tota
lisators der Genehmigung der zuständigen
Staatsbehörde. Da nun aber die von den
Einlagen in Abzug gebrachten Procente, sowie
die bei der Quotientenberechnung sich erge
benden Reste in die Vereinscasse hiessen und
aus diesen Mitteln theils die Dotirung der
Rennen, theils eine Zuführung zu den Pferde-
importations-Fonds geschieht, so hat dies
Wettspiel den hohen Zweck, Zur Hebung der
Landespferdezucht diejenigen Mittel zu be
schaffen, welche ein den Verhältnissen ent
sprechender nutzbringender Rennbetrieb, sowie
die Einfuhr werthvollen Zuchtmaterials er
fordert. Grassmann.
Traberpserd. Das Traberpferd der Ver
einigten Staaten Amerikas ist nach der
schulmässigen Auffassung ein englisches Halb
blutpferd, insofern es von dem englischen
Vollbluthengste Mambrino abstammt, einem
Sohne vom Engineer und der Dulcinea vom
Gada, der ein Sohn war von Godolphin’s
Araber, einem der Stammhengste der eng
lischen Vollblutzucht. Mambrino wurde im
Jahre 1768 bei Leeds in der englischen Graf
schaft York geboren. Er zeichnete sich da
durch aus, dass er auf weite Entfernungen
traben konnte; er soll 14 englische Meilen
(22 8 km) in einer Stunde getrabt haben, eine
damals unerhörte Leistung. Von diesem Mam
brino wurde ein Sohn, namens Messenger,
nach Nordamerika geführt, wo er am 27. Mai
1788 in Philadelphia landete. Der englische
Vollbluthengst Messenger wurde der Stamm
vater der nordamerikanischen Traberzucht,
die gegenwärtig von keiner anderen übertreffen
wird, was die Schnelligkeit der Pferde im
Traben betrifft. Nach Messenger sind wieder
holt englische Vollblutpferde in der nord
amerikanischen Traberzucht verwendet worden.
Aber es wäre weit gefehlt, die Bedeutung
des nordamerikanischen Traberpferdes auf den
Umstand zurückzuführen, dass es von einem
englischen Vollblutpferde abstammt und einen
grossen „Blutantheil“ davon besitzt. Mit der
Bezeichnung des nordamerikanischen Trabers
als „englisches Halbblut“ ist in der That nichts
gesagt, selbst wenn man die „Hochblütigkeit“
dieses „Halbblutes“ betonen wollte. Allerdings
verdankt das nordamerikanische Traberpferd
seine „Naturanlage zum Traben“ dem eng
lischen Vollbluthengste Mambrino und seinem
auf nordamerikanischen Boden geführten
Sohne Messenger, sowie dessen Nachkommen.
Aber das, was das nordamerikanische Traber
pferd bis zur Gegenwart geworden ist, das
verdankt es seiner planmässigen Uebung im
Traben und der verständigen Auswahl der
besten Traber zur Zucht.
Die Schnelligkeit der nordamerikanischen
Traberpferde hat beständig zugenommen. Der
englische Mambrino trabte die englische Meile
(1609 m) in 4 Minuten 17 Secunden, die nord
amerikanische Traberstute Bethsy Baker, eine

Tochter des amerikanischen Hengstes Mam
brino, Sohnes des Messenger, machte diese
Entfernung in 3 Minuten. Dexter, ein Sohn
von Rysdyk’s Hambletonian, in 2 Minuten 17%
Secunden.
Seitdem ist die Traberzeit (der „record“)
fortwährend kürzer geworden, so dass die Zeit
für eine englische Meile Entfernung oder eine
amerikanische Meilenbahn gegenwärtig 2Minu
ten nahekommt. Nach dem letzten Siege der
Nancy Hanks auf der Traberbahn im Washing
ton-Park zu Chicago am 17. August 1892 wird
die Zweiminutenzeit einer englischen Meile nur
noch um 7% Secunden übertreffen, was einer
Schnelligkeit von 1 Minute 191 Secunden Bil
den Kilometer entspricht.
Die Maud S. mit einem Record von 2 Mi
nuten 8% Secunden (1 Minute 20 Secunden
der Kilometer) galt durch mehr als sechs
Jahre (sie erlangte ihren Record am 30. Juli
1888 in Cleveland, Ohio) für die amerikanische
Traberkönigin, bis sie durch Sunol besiegt
wurde, die im Herbst 1891 einen Record von
2 Minuten 8% Secunden (1 Minute 19 7 Se
cunden der Kilometer) erlangte. Aber diese
beiden, bisher berühmtesten nordamerika
nischen Traberstuten wurden durch den Chi-
cagoer Sieg der Nancy Hanks, und neuerdings
durch ihren Sieg am 31. August 1892 in
Jowa mit einem Record von 2 Minuten 8%
Secunden (1 Minute 17 8 Secunden der Kilo
meter) in den Schatten gestellt. Ihr letzter
Meilenrecord auf der Rennbahn zu Terrehaute
in Indiana war 2 Minuten 4 Secunden —
1 Minute 171 Secunde der Kilometer.
Von den Nachkommen des in Philadelphia
eingeführten englischen Vollbluthengstes Mes
senger zeugte sein Sohn Mambrino (ein Enkel
des englischen Mambrino) aus der Amazonia
(deren Vater ein Sohn von Messenger, deren
Mutter von unbekannter Abstammung war)
den Abdallah (1823 geboren), der die Charles,
Kent-Stute am 8. Juni 1848 deckte; sie brachte
am 8. Mai 1849 ein braunes Hengstfohlen
zur Welt, das von einem Landwirthe in Chester
im Staate New-York, namens William M. Rys
dyk, angekauft und Hambletonian (Rys
dyk’s Hambletonian) genannt wurde. Von den
Eltern der Charles - Kent-Stute (die einem
Herrn Jonas Seely zu Chester im Staate New-
York'gehörte), war ihr Vater der eingeführte
englische Vollbluthengst Ballfounder, ihre
Mutter One Eye eine Tochter von Bishop’s
Hambletonian. einem Sohne des aus England
eingeführten Messenger. Die Stute One Eye,
eine der besten Traber im Staate New-York,
hatte auch eine Messenger-Tochter, namens
Silver Tail, zur Mutter.
Rysdyk’s Hambletonian war also väter
licherseits ein Urenkel des eingeführten Mes
senger, mütterlicherseits hatte er einen väter
lichen und einen mütterlichen Blutantheil von
Messenger; er war also in naher Verwandt
schaft gezüchtet. Hambletonian besass selbst
keinen Record, aber er erwarb sich einen
grossen Ruf als Vater von Trabern, zunächst
durch einen Sohn, der anfangs den Namen
Robert Fillingham, später den Namen George

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