Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Zehnter Band (Stall und Stallbau - Verbrennen)
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jährige 5000 Dollars (21.000 Mark) und mehr.
Der Traberhengst Alemjon wurde als Saug
fohlen von der Woodburn-Farm in Kentucky
für 5000 Dollars verkauft. Bewährte Deck
hengste erzielen Verkaufspreise von 25.000 Dol
lars (wie z. B. Allandorf, ein Enkel von
George Wilkes) und Deckpreise von 500 Dol
lars (2100 Mark) mit Versicherung eines
Fohlens. Der Bruttoverdienst von Rysdyk’s
Hambletonian, nur an Deckgeldern, belief sich
auf 205.750 Dollars (864.150 Mark).
Bei den grossen Entfernungen in nord
amerikanischen Städten ist ein rasch traben
des Pferd nothwendig, nicht bloss für die Ge
schäftsleute, sondern auch für die Frauen,
die auf leichtem Wagen mit einem raschen
Pferde ihre Einkäufe machen. In kleineren
Städten und auf dem Lande besitzt jede halb
wegs wohlhabende Familie ein Traberpferd,
das auch den gesellschaftlichen Verkehr
unterhält von Familie zu Familie und von
Farm zu Farm. Solche Thiere werden wie
Kinder behandelt, sie sind Familienmitglieder,
wie die Pferde der Araber.
Was die Eisenbahn für den Grossverkehr
in Nordamerika, das ist das Traberpferd für
den Kleinverkehr. Darauf beruht das grosse
Interesse der Nordamerikaner für den Traber
sport, der aber in der That nicht blosser
„Sport“ ist, sondern eine Leistungsprobe für
ein ausdauerndes und tüchtiges Gebrauchs
pferd. Wilckens.
Trabersport. Die im Sinne des Sport
(s. d.) stattfindende Betheiligung an den
Rennen der Traber heisst Trabersport. Der
selbe ist, wenn auch die Zucht der eigent
lichen Renn- oder Recordtraber sich erst in
neuerer Zeit herausgebildet hat, eine weit
zurückreichende Unterhaltung. Es soll bereits
im XL Jahrhunderte Traber gegeben haben,
der erste Beweis für das wirkliche Vor
handensein derselben findet sich aber erst
durch ein aus dem Jahre 1465 stammendes
und im Britischen Museum aufbewahrtes
Schreiben einer in Norfolk wohnenden Dame,
in welchem sie ihrem Gemahl mittheilt: „There
be bought for you three horses and they all
by Trösters.“ Ob diese Trotter Pferde jener
Landschaft waren, ist nicht bekannt, jeden
falls wird aber Norfolk als die Heimat der
englischen Traber allgemein angesehen.
Die Zucht der neueren Traber und damit
auch das Emporblühen des Trabersports ent
stammt erst dem Anfang des XIX. Jahrhun
derts, u. zw. war es der Graf Alexis Grigo-
rievitch Orlow Tschesmensky, welcher von
dem Gedanken ausging, in der natürlicheren
und weniger ermüdenden Gangart des Pferdes,
im Trab, dieselbe Schnelligkeit zu erzielen,
wie sie die englischen Wettrenner besassen.
Nach dieser Idee züchtete er in seinem an
fänglich in Doronovo (s. d.), dann in Khreno-
woyie (s. d.) betriebenen Gestüt, in dem Bars I
als Stammvater der russischen Traber gilt.
Diese Pferde waren aber ein Kunstproduct,
da sie das Ergebniss einer geplanten Zucht
waren. In Holland, in Frankreich, in der
Normandie, in England und in den nordi

schen Reichen Dänemark und Norwegen fand
sich schon lange vorher ein Naturtraber, d. h.
ein Pferd, das durch seine natürlichen An
lagen sich für den Trabersport eignete. So
datirt für Norwegen der Trabersport schon
aus der Zeit bald nach der Mitte des XVIII.
Jahrhunderts. Im Norsk Traver Kalender ist
angegeben, dass bereits im Jahre 1762 Traber
sport getrieben wurde.
Nach dem Material, mit dem dieser Sport
ausgeführt wird, kann man denselben in
solchen mit natürlichen und gekünstelten
Thieren, den sog. Recordtrabern,unterscheiden.
Die letztere Art blüht gegenwärtig besonders
in Amerika und ist von dort bezüglich des
Materiales vielfach nach dem europäischen
Festlande ausschliesslich Russlands verpflanzt.
Hier ist es in neuerer Zeit Frankreich, Deutsch
land, Oesterreich und Italien, welche die Zucht
der Recordtraber pflegen. Hier wie dort, in
Europa wie Amerika, entstammt der moderne
Recordtraber aber einer Zucht, in welcher
überbaute, flachrippige, schmale, dünnbeinige,
vielfach kuhhessige und mit fehlerhaften
Gelenken ausgestattete Thiere die Mehrzahl
bilden. Die Naturtraber, der Normänner, der
Norfolker, der norwegische Traber sind aber
fast ausnahmslos stramme Thiere in ihrem
ganzen Körperbau und dabei erzielen auch
sie eine gewiss sehr beachtenswerthe Schnel
ligkeit. So weist der Norsk Traver Kalender
für 1891—92 allein 36 Pferde auf, die einen
Record über eine englische Meile von 1 : 40
und besser zeitigten. Den besten Record
von 1 :27 besass der von Rappe erzeugte
Schimmel Schuhmann. Die amerikanischen
Traber haben allerdings aber auch auf Rech
nung ihrer minderwerthigen Körperbeschaffen
heit eine weit höhere Schnelligkeit erzielt.
Ihr Record ist gerade in jüngster Zeit ganz
wesentlich verbessert. Maud 8. (1'9), die
Harald-Tochter des Mr. Bonner, trabte im
Juli 1885 die englische Meile in 2 : 8%. Ihre
Leistung galt als unübertrefflich, und wirk
lich hat die Stute mit derselben auch 6 Jahre
hindurch an der Spitze aller Traber der Welt
gestanden. Im Jahre 1891 schlug aber Sunol,
eine im Gestüt des Senators Stanford zu Palo
alte in Californien gezogene Stute, das Welt
record und wurde mit 2 : 8% Traberkönigin.
Seitdem nun hat Nancy Hanks, eine braune
Stute von Happy Medium aus der Nancy Lee,
gezogen von der Boswell in Lexington, Ky.,
ein Record, erst von 2 : 5% und dann sich
selbst verbessernd, von 2:4 erzielt; letzteres
auf der Bahn zu Terrehaute in Indiana.
Dasselbe gilt gegenwärtig als Weltrecord.
Im Pass war bis vor Kurzem Direct das
schnellste Pferd, doch ist er von dem Passer
Hai Pointer mit einem Record von 2:5'/»
weit geschlagen. Hai Pointer widerlegte mit
dieser Leistung gleichzeitig die Annahme,
dass die Pacers nicht dieselbe Schnelligkeit
erreichen könnten, als die Traber.
Unter den Hengsten galt Nelson mit
einem Record von 2 :10 3 /* als der schnellste,
bis ihn Allerton mit 2:10 am 11. September
1891 übertraf und damit Traberkönig wurde.

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