Titel:
Untersuchungen über die Erkenntniß, Ursachen, Behandlung der Entzündung und ihrer Uebergänge bey den nutzbaren Haussäugethieren
Personen:
Hayne, Anton Wikipedia
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IS
stimmt werden, das eine zu suchen und das andere zu meiden. Die
Grade der Empfindung find im gesunden Zustande verschieden, und
können durch kranke Zustände noch mannigfaltiger werden. Die Bildung
der empfindenden Werkzeuge ist aber von der Art, daß nicht jedes für
jede Einwirkung gleich empfänglich ist. Die eine Partbie gehört dem
Willen des Thieres an, die andere ist im Dienste der Bildung, und die
dritte ist den äußern Einwirkungen zugewandt. Da wir hier nur von den
Thieren sprechen, so übergehen wir auch alle Betrachtungen der höch
sten Nerventhätigkeit der Seelenverrichtungen, und begnügen uns da
mit zu zeigen, daß die Empfindung entweder mittel- oder unmittelbar
bloß für den Dienst der Bildung zugegen ist. Wenn wir demnach die
Sinne der Thiere in Bezug auf ihren Gebrauch näher untersuchen, so
werden wir bald finden, daß sie größtentheils zum Behufe der Bildung
thätig sind. Der Geschmack und der Geruch sind es schon an sich, und
leiten das Geschäft vor Allen bey der Wahl der Futterstoffe, wo
durch sowohl das Zuträgliche von dem Schädlichen, das Wohlschme
ckende von dem Widrigen unterschieden wird. Auch das Gehör dienet
gewissen Thieren ihre Beute schon in einer Entfernung wahrzunehmen.
Mit dem Tastsinn har es eben die Bewandtniß wie mit dem Geschmack
und Geruch. Nachdem wir die Sinne von ihrer wählenden Seite ken
nen gelernet haben, betrachten wir sie auch von der andern Seile, wo
durch mittelst gewisser Eindrücke ein Widerwille erregt wird, der die
Thiere vor mancher Schädlichkeit und mancher Gefahr beschützt, damit
ihre Selbsterhaltung nicht gefährdet wird.
§. 22. Die Nerven, idie die Bewegung leiten, find, wie wir schon
oben gesehen haben, ebenfalls im Dienste der Bildung, indem bey
nahe alle Bewegung im freyen Zustande des Thieres dahingeht, ent
weder Nahrungsmittel aufzusuchen, oder zugleich, wenn auch auf eine
mittelbare Art die Verdauungseingeweide, von den enthaltenen Ucberre-
sten des Genossenen durch eine gesteigerte, wurmförmigc Bewegung ent
leeren zu helfen. Ein grosser Theil des Nervensystemes (Bildungsner
ven) aber befaßt sich zu allernächst mit der Leitung des Verdauungs-
gefchäfkes, und ist nur für bedeutendere Grade anderer Einwirkungen erst
empfänglich. Bey den Thieren, wo am auffallendsten die Bildung ist,
dort wird auch diese Parthie des Nervenfystemes die andern, die zum
Behufe der Sinne und der Bewegung bestimmt sind, mächtig zurück
drängen, und eine Wucherung der Bildung für sich allein bestimmen.
Die Empfindung kann aber durch besondere Umstände auf eine auf
fallende Art bald erhöht, bald abgestumpft werden, wodurch in dem
einen Falle zu sehr beschleunigte Bewegungen eintreten, und auf diese
Art ein zu rasches Ableben verursachen, und dadurch dem bildenden
Leben einen größern Abbruch thun. In dem andern Falle wird ebenfalls
vorzüglich durch die Unthätigkeit, zumahl jener Parthie des Nervcn-
systemes, die zum Behufe der Bildung zunächst dient, Anfangs nur

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