Titel:
Untersuchungen über die Erkenntniß, Ursachen, Behandlung der Entzündung und ihrer Uebergänge bey den nutzbaren Haussäugethieren
Personen:
Hayne, Anton Wikipedia
PURL:
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§. 5. Nebst den chemischen Kräften besitzen die Stoffe noch mechanische,
wodurch sie körperlich auf einander zu wirken vermögen, jedoch ohne
dabey gleichzeitig ihre chemischen Kräfte zu andern. Bey der Wechselwir
kung sowohl des Stoffes auf Stoff (chemisch), so wie auch des Körpers
auf Körper (mechanisch), enthüllt sich noch eine dritte Kraftäußerung,
und das ist die dynamische, wo Kraft aufKraft gegenseitig in Thätigkeit
kommt, und die schon mehr oder weniger leise sich bey obigen Kraftäuße-
rungen entfaltet, allein bey dem Hervortreten der elektrischen, galvani
schen, magnetischen u. s. f- Erscheinungen noch deutlicher sich entwickeln
wird. Ungeachtet diese Kräfte nur in dem unorganischen Reiche walten,
und nur die todten Verbindungen und Trennungen hervor zu bringen
scheinen, so wird man doch finden, daß sie die Begründer oder Rudi
mente der organischen Kräfte sind, die unverkennbar durch ihr eigen
thümliches Walten ihre Gegenwart, mittelst der verschiedenen Erschei
nungen des Lebens, verrathen. Beobachtet man die organischen aber noch
lebenden Körper, so werden wir Erscheinungen bemerken» die ihnen
ganz eigens zukommen, und die sich als eine lebendige Bildung, Be
wegung und Empfindung wahrnehmen lassen werden. Diese lebendi
gen Thätigkeiten durchdringen hier eben solchcStoffe, die wir auch in den
Körpern des sogenannt unorganischen Reiches angetroffen haben. Nut
könnte man hier fragen, welches die Umstände sind, die jene gemeinen
physischen und chemischen Kräfte so verändern, modeln und zu höhern
steigern ; treten hier quantitative oder qualitative Verschiedenheiten ein,
oder aber kommt noch etwas anderes dazu, durch dessen bessere Ver
wendung obige Erscheinungen lebender Körper hervorgerufen werden?
Die Antwort auf diese Frage dürfte kaum jemahls befriedigend gelöst
werden, denn zu tief ist das Geheimniß verborgen, und weder die ge
schärftesten Sinne, noch der tiefste Verstand wird je in jenes wunder
bare Dunkel eindringen, und es beleuchten, das zuweilen irgendwo ei
nen faßlichen lichten Punct zeigt, der jedoch bald jeder Fassung ent
schwindet, und dadurch für uns noch unergründlicher und unbegreiflicher
wird. Es bleibt uns dem zu Folge nichts übrig, als eine besondere Kraft
anzunehmen, die wir als Natur, Leben, Lebenskraft, Lebensthätigkeit,
oder auf sonst eine Art bezeichnen können, welche die bekannten, gemei
nen Kräfte auf eine für uns unerklärliche Art verwendet, und aus ei
nem und demselben Material die mannigfaltigsten Formen mit den wun
derbarsten Thätigkeiten hervorruft, die wir nun staunend erblicken, und
dabey den Urheber davon mit heiliger Andacht verehren müssen.
§. 6. Alles, was lebt, zeigt seine lebendige Thätigkeit oder Lebendig
keit durch die Bildung, Bewegung und Empfindung, aber in den man
nigfaltigsten Verhältnissen, so zwar, daß wir in dem einen lebendigen
Körper auffallender vorwaltend die Bildung, in einem andern sichtlicher
die Bewegung, und wieder in einem andern deutlicher vorherrschend die
Empfindung finden. Dieses Hervortreten einer oder der anderen Thätig.

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