Titel:
Handbuch der speziellen Pathologie und Therapie für Thierärzte und Landwirte
Personen:
Dieterichs, Joachim Friedrich Christian Wikipedia
PURL:
http://viewer.tiho-hannover.de/viewer/image/PPN685363546/710/
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Ui der wahren Entzündung das Parenchym« desselben von ihr
ergriffen ist und dann ist das Euter nicht nur stark und dunkel ge-
röthet, hart, sehr warm, schmerzhaft, sondern auch die Zitzen stehen
straff ab, sind ebenfalls hart geschwollen, schmerzhaft, sehr warm
und ihre Haut rothglänzend gespannt; aus ihnen ist theils we
gen des Schmerzes, den die Kühe dadurch erleiden und sich des
halb wehren, als auch weil die Absonderung der Milch durch
die eingetretene Entzündung unterdrückt und die in dem Euter
enthaltene dick und klumperig, oder zähe geworden ist, die Milch
nur mit Mühe und Wiederwärtigkeit des Thieres zu entleeren.
§. 68. Die Behandlnng der Euterentzündung durch Stoß
und Verletzungen des Euters überhaupt, gehört mehr in das
Gebiet der Veterinair-Chirurgie, wo darüber nachzusehen ist;
bei der Anschwellung des Euters und der Euterentzündung in
Folge der Geburt hat man aber wie folgt zu verfahren.
Je nachdem das Blut-Gefäßsystem überhaupt aufgeregt ist,
entleere man den bekannten Grundsätzen nach Blut aus der
Hals- oder aus der Bauchdecken-Blutader, wende abführende
und deprimirende Salze, und wenn Erkältung mitgewirkt hatte,
auch Aloes und Terpenthinöl, desgleichen Klystiere, an; die
Milchsecretion suche man dadurch im Gange zu bringen, daß
man das entzündete und geschwollene Euter mit Abkochungen
der Hafergrütze, des Leinsamens, des Malvenkrautes u. dgl. lau
warm recht fleißig waschen läßt und dabei versucht, die Milch
aus den Strichen zu ziehen, was wenn zwar nicht sogleich, doch
mit Beharrlichkeit fortgesetzt, gelingt. Zum Bähen und Waschen
kann auch laue Schlämpe benutzt werden.
§. 69. Ist nach dem letzten Waschen des Abends das Eu
ter trocken geworden, so bestreiche man es zur Nacht mit reinem
mildem Fette, welches Morgens wieder rein abgewaschen wer
den muß. Man verhüte kalte Waschungen und Erkältungen, so
wie starke Bewegungen des Thieres, ebenso das Einreiben mit
reizenden Oelen und Salben; sie schaden insgesammt in diesem
Zustande. Durch abermaliges Waschen am andern Tage, zuerst
mit lauem Wasser und Seife, oder Kaliauflösungen und nächst-
dem mit eben angegebenen Abkochungen, wird man seinen Zweck
am besten erreichen.
Eine reine, immer trockne und gute Streu begünstigt sehr
die Behandlung und Heilung des Thieres.
H. 70. Sobald das bisher entzündete und harte Euter

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