Titel:
Handbuch für angehende Pferdeärzte
Personen:
Ammon, Karl Wilhelm WikipediaSind, Johann B. Wikipedia
PURL:
http://viewer.tiho-hannover.de/viewer/image/PPN717286223/382/
Gebrauch des Thieres, die wenige Schonung und Ruhe desselben, schleckte
Nahrung, mangelhafte Pflege und Abwartnng -c., entgegensetzen.
Der Verlauf der Krankheit beschrankt sich aus keine gewisse Zeit; er
dauert Wochen, Monate, ja bis zu einem halben Jahre und ist bald heftiger,
bald schwächer, ohne daß man eigentlich sagen kann: das Pferd ist wirklich
rotzig, oder die Druse ist geheilt.
Dieser Umstand und die große Aehnlichkeit mit dem wirklichen Rotze
giebt zu häufigen Verwechslungen beider im Wesentlichen sehr verschiedenen
Krankhcitszustände die Veranlassung, und ist schuld, daß man dort Pferde
für rotzig hält, die cs doch nicht waren und die man nun wieder von dieser
gefährlichen Krankheit geheilt zu haben glaubt, indeß man nur eine bösar
tige Druse hob, oder sic hier ohne Weiteres tödtete, da sie doch heilbar waren,
wohl auch wirklich rotzige Pferde in dem Wahne beibehält, als litten sie nur
an einer verdächtigen und bösartigen Druse. Und in der That sind die Kenn-
zcickcn von beiden Krankheiten oft einander so ganz ähnlich und alle Krank-
hcitScrsckcinungcn fließen beinahe so ganz in Eins zusammen, daß es schwer
ist, und viele Erfahrungen voraussetzt, beide Krankheiten bestimmt von ein
ander zu unterscheiden.
Was die Heilung anbelangt, so erfordert sie vor Allem:
1) ein Fontancll an der Brust, das man reckt reizend machen und we
nigstens drei bis vier Wocken in Eiterung erhalten muß. Außerdem, daß es
hier das angczcigkcstc und nack aller Erfahrung das heilsamste Mittel ist,
giebt eS auch zugleich einen wahren Probierstein ab, ob man es mit einer
bloßen bösartigen Druse oder dem wirklichen Rotze zu thun habe; denn ist
es der erstere Fall, so wird durch die fortdauernde Wirkung desselben, in vier
zehn Tagen bis drei Wochen, die kranke Reizbarkeit und Thätigkeit der Na
senschleimhaut durch diesen künstlich erregten Gcgcnreiz abgeleitet und daS
allgemeine Gefäßsicbcr mit allen seinen Nebenerscheinungen aufgehoben, und
so die Gesundheit wieder hergestellt, da im Gegentheile, wenn die Krankheit
schon in den wirklickcn Rotz übergegangen ist, alle Krankheitszufälle, als
der Ausfluß aus einem oder beiden Nasenlöchern, die Anschwellung der Lnin-
phenknvten, die kleinen Gesckwürcken in der Nase fortdauern, im ersteren
Falle aber hierauf verschwinden. Weshalb man dieses Mittel auch nock da
anwenden muß, wo man über das Dasein des Rotzes im Zweifel ist. *)
2) Die innerlicke Eingabe von folgendem Gemische:
Pulvcrisirtc Wachholderbeeren,
„ rocke Enzianwurzel,
„ Ealmus, von jedem ein halbes Pfund;
„ Sckwefclblumen, ein Pfund;
„ Spicsglanz, zwei Pfund,
gemischt; das man dem Pferde encrvcder, sobald cs noch frißt, in starken
Gaben, z. B. zu zwei und drei Eßlöffel voll aus jedes Futter streuet, oder

*) Dieses Verfahren, ein tüchtiges Fontancll vor die Brust, gleichsam als Pru-
fungsmittet, mit welcher Act des Krankseins man cs eigentlich zu thun
Hot, da beide Uebel oft so schwer von einander zu unterscheiden sind, zu ge
brauchen, ist ganz aus der Erfahrung gehoben und verdient die größte Auf
merksamkeit. Mir bat es in dem Laufe einer langen und viellahrigcn Praxis
in dieser Art großen Nutzen geleistet.

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