Titel:
Handbuch für angehende Pferdeärzte
Personen:
Ammon, Karl Wilhelm WikipediaSind, Johann B. Wikipedia
PURL:
http://viewer.tiho-hannover.de/viewer/image/PPN717286223/386/
Krankheiten des Lymphsystems. 375

fährliche Krankheit sichere und bewährte Heilmittel zu entdecken; allein biS
jetzt noch immer ohne Erfolg. Denn wenn eS sich auch zufällig einige Mal
ereignet hat, daß für rotzig gehaltene Pferde gekeilt worden sind; so haben
doch dieselben Mittel und dasselbe Verfahren, bei andern rotzigen Pferden
angewandt, sich wiederum unwirksam bewiesen, und cs ist daher- nicht zwei-
felhaft, daß bis jetzt cs noch Niemand gelungen, den wirklich vorhandenen
(wahren) Rotz immer und sicher zu heilen.

Wahrscheinlich war bei allen bisher geheilten rotzigen Pferden die Krank-
heit eben erst im Uebergange von der verdächtigen Druse zum Rotz begriffen,
oder erst die Ansteckung erfolgt; sic war also noch nicht vollkommen ausge-
bildet, noch nicht eingewurzelt. Unter solchen Umstanden halte ich die
Krankheit noch für heilbar, — wenigstens zuweilen; denn ich erinnere mich,
früher selbst mehrere Pferde gekeilt zu haben, die von Schmieden und Vieh-
beschauern für rotzig und unheilbar erkannt worden waren. Mein Verfahren
dabei war folgendes. Zuvörderst ließ ick aus 3 Pfund rohes Spiesglanz, 2
Pfund Enzianwurzel, 8 Loth Schierlingskraut ein Pulver bereiten, und
dieses hernach mit 10 Loth Terpentinöl und genügsamen Wachholdermuß
zur Latwerge machen. Von dieser Latwerge gab ich hernach alten und gro-
ßen Pferden täglich zwei- bis dreimal -1 Loth schwer ein, und wenn die er-
wartete Wirkung nicht erfolgte, vermehrte ich diese Gabe noch, und zwar
dergestalt, daß ich bisweilen bis auf 16 bis 20 Loth täglich gestiegen bin.
Wenn sich hierauf beschwerliche Zufälle einstellten, z. 33. Traurigkeit, ver-
minderter Appetit, beschwerliches Athemholcn, schneller harter Puls u. dgl.,
dann setzte ich einige Tage mit dem Arzncigcbrauch alis, und sing hernach
mit der kleineren Gabe wieder von vorne an. Die harten Ganaschcndrüscn
ließ ich mit grauer Quecksilbersalbe (Nro. 85) einreiben, und wenn diese
nicht wirksam genug war, mit einem der Quecksilber-Linimente Nro. 56
oder 57. Waren schon Geschwüre auf der Schleimhaut der Nase vorhanden,
so ließ ich bisweilen Einspritzungen von dem phagadänischcn Wasser Nro. 19
machen; oder gebrauchte die bekannten Räucherungen von Schwefelsäure,
und ließ den Dampf davon in die Nasenhöhlen einziehen.

AIS wirksame Mittel gegen den Rotz werden von den Pferdeärztcn ver-
schiedene Mittel anempfohlen. So z. B. von den Professoren Pessina
und Rnß, die Braunsteinlatwcrge Nro. 177; von französischen Thicr-
ärzlca, die Quecksilbersublimat-Pillen Nro.207; von dem englischen Pferde-
arzt Lines, die Kantharidcn-Pillen Nro.209; von dem Professor Eolaine
in Mailand, die Schwcfclblumen in starken Gaben. *) In wie ferne die
erstem drei Mittel heilsam sind, oder nicht, kann ich ans eigener Erfahrung
nicht tagen; nur das letztere Mittel (die Schwefelblumen) habe ich selbst
ohne Erfolg angewandt. Go bi er gab einem rotzigen Pferde nach und nach
29 Pfund Schwefel, und bewirkte dadurch Aufhören des Ausflusses, aber
auch völlige Untl'ätigkcit der Verdauung, Abmagerung und Tod.

Es fragt sich nun noch: Müssen die Gerathschaften, welche bei rotzigen
Pferden gebraucht worden sind, zerstört und verbrannt werden, oder kann
man sic auf irgend eine Art reinigen, daß sic ohne Gefahr bei gesunden
Pferden wieder gebraucht werden können? — Die Erfahrung hat gezeigt.

*) Glücklicher Versuch den Rotz und Wurm der Pferde zu heilen. Aus dem
Französischen von Gerike. Braunschwcig. 1812.

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