Titel:
Handbuch für angehende Pferdeärzte
Personen:
Ammon, Karl Wilhelm WikipediaSind, Johann B. Wikipedia
PURL:
http://viewer.tiho-hannover.de/viewer/image/PPN717286223/387/
daß daS Rotzgift seine ansteckende Kraft verliert, wenn die Feuchtigkeit ver
trocknet, womit es verbunden ist, oder wenn es überhaupt einem bedeutenden
Grad von Warme ausgesetzt wird. Es ist daher leicht den Ställen und Ge-
räthschaften die Ansteckungskraft zu nehmen. Alles Riemen- und Lcderwerk
legt man ins Wasser, damit der daran befindliche Unrath erweicht wird.
Hernach nimmt man starke Lauge, macht diese heiß, und reiniget mit selbiger
das Leder mittelst einer Bürste; laßt es beinahe trocken werden und be
streicht cs daraus einige Mal mit Thran, wodurch es wieder brauchbar und
ganz unschädlich wird. Die Sattel niüssen neue Kissen bekommen; und wenn
die in denselben befindlichen Pferdehaare wieder benutzt werden sollen, so
müssen dieselben ausgekocht, und hernach in Wasser rein abgcwaschen wer
den. Decken und Gurte müssen in heißem Wasser mit Seife ausgewaschen
werden. Das Holz in den Stallen muß man mit starker heiß gemachter
Lauge abscheuern. Die Wände müssen erst abgekratzt und hernach neu über-
worfcn und geweißt werden. Ist der Fußboden von Stein, so muj? er in den
Ständen, Rinnen und überall mit kochendem Wasser ausgespult werden,
oder will mau ihn geschwind trocknen, so kann man ihn auch mit glühend
heißem Sand überschütten. Sollte der Fußboden von Holz sein, so kann
man denselben herausnehmen, die Bohlen eine Zeitlang ins Wasser legen;
und wenn sie nachher gehörig gereinigt sind, so kann man sie, die obere
Seite nach unten gewendet, wieder in den Stall legen.
Zuletzt muß der Stall noch recht ausgelüftet werden, damit er so wie
die Gcrätbschaftcn recht trocken werden, bevor sie zu gesunden Pferden ge
braucht werden.
[?inm. Jene unheilbare Krankheit der Pferde, die sie in allen Lebens-
pcriodc» befallen kann und die wir den Rotz nennen, besteht theils in einem
allgemeinen Leiden dcS thierischen Körpersund vorzüglich des lymphatischen
Systems, theils in einer örtlichen chronischen Entzündung der Nasenschleim
baut, die in ihrem Verlaufe in ein bösartiges Geschwür übergeht, das die
Knorpel und Knochen anfrißt, von welchem Zeitpunkt an das örtliche Leiden
das allgemeine und dieses wieder das örtliche unterhält und vermehrt, und
da wir weder das Letztere durch einen vollkommenen freien Abfluß der Jauche
rmd andere chirurgische Mittel heilen können, noch das Erstere durch Medi
kamente, welche die kranke Form und Mischung der thierischen Organisation
im Allgemeinen wieder in eine gesunde umzuändern im Stande sind, zu
beben verstehen, so dürste, wenigstens meinem Dafürhalten nach, diese
Krankheit auch in der Folge so unheilbar bleiben, als sie es bis jetzt war.
Es kaun daher hier nickt von ihrer Cur, sondern nur von ihren Kenn-
zeichen, ihren Ursachen, ihrer Entwickelung, ihrem Verlauf, ihrer
Ansteckung :c., die Rede sein.
Was die Ersteren anbetrifft, so kommen sie sehr mit den Kennzeichen
bei einer bösartigen Druse überein und bestehen:
1) In einem 2lusflusse aus beiden, oder was größtenthcils der Fall ist,
nur aus einem Nasenlocbc von einer graulichen, zu Zeilen grünlichen mit
gelben Streifen und Flecken vermengten, hier und da wohl auch mit etwas
Blut vermischten Flüssigkeit, die sich größtencheils an den äußern Rändern
der Nasenlöcher wie dicker Buckbinderkleistcr anhängt und zu einer Zeit mehr
als zu der andern fließt, ja, die wohl auf einige Zeit, besonders wenn das
Thier wenig bewegt wird, gar nicht zugegen sein kann, wie dieß nicht selten

Anschrift

Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover
Hochschulbibliothek
Bünteweg 2
30559 Hannover
Kontakt

Tel.: +49 511 953-7100
Fax: +49 511 953-7119

E-Mail senden


Datenschutzerklärung

Partner

:
version: intranda viewer - a0c7c66