Titel:
Praktische Arzneimittellehre für Thierärzte
Personen:
Hertwig, Carl Heinrich Wikipedia
PURL:
http://viewer.tiho-hannover.de/viewer/image/PPN734635443/685/
673 —

die durch nochmalige gelinde Destillation von den gro
bem brenzlichen Bestandtheilen befreiete, sogenannte rek-
tifizirte Holzsäure ist weniger wirksam als die
rohe.
Die Holzsäure ist als Arzneimittel für Thiere erst
seit kurzer Zeit und nur wenig versucht, daher auch
ihre Wirkungen und die Indikationen für ihre Anwen
dung noch nicht genügend erforscht sind; indessen er-
giebt sich doch aus den Versuchen, welche von 15 er-
res 1 ) u. A. mit ihr gemacht worden: dass sie in gerin
ger Gabe auf Thiere von jeder Gattung als ein eigen
thümliches Reizmittel, in etwas grosser Gabe aber auf
die meisten als ein tödtendes (nach Berres als ein nar
kotisches) Gift, also ganz anders wirkt als die übrigen
Säuren.
Ein Haushahn, dem man durch 3 Tage nach einan
der täglich 4mal klein geschnittenes Brot, jedesmal mit
s Loth Säure getränkt, eingab, wurde gleich nach dem
ersten Eingeben betäubt, wankte hin und her, schäumte
aus dem Schnabel und die Federn wurden buschig auf
gerichtet: später wurden letztere schmutzig gelb, der
Kamm blaaroth, der Kopf angeschwollen, die Respira
tion beschwerlich, röchelnd und am Iteu Tage erfolgte
der Tod unter Erstickungszufällen. 2 )— Andere Hühner,
denen man 2 Quentchen der Säure für sich allein ein
gab, bekamen sogleich Krämpfe, Zuckungen, Erbrechen,
dunkelblaue Farbe des Kammes, und schon nach 2 Mi
nuten erfolgte der Tod. — 1 Loth des Mittels einem
Hahn in den After gespritzt, verursachte ähnliche Zu
fälle und in 2 Stunden den Tod. — Katzen stürzten
augenblicklich nach dem Eingeben eines halben bis eines
ganzen Quentchens der Säure zusammen, bekamen (Kon
vulsionen am ganzen Körper, schrieen, schäumten aus
dein Maule, erbrachen sich, die Augen wurden hervor-

') Ueber die Holzsäure und ihren Werth. Wien 182.3.
2 ) Berres a. a. O. 8. .30 und f.
Hertwig Arzneimittellehre.

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