Titel:
Vollständige Pferdewissenschaft ; [Erster Band]
Personen:
Prizelius, Johann Gottfried Wikipedia
PURL:
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Vorrede. vu
läge dazu hat, schon so viel lernen kann, als große Herren in jetzigen Zeiten
fordern — weil sie die Kunst in ihrer Stärke verkennen, — und der
größeste Theil der Bereiter weiß; allein man wird doch nicht von mir ver
langen, daß ich solche Leute für wahre Bereiter gelten lassen solle? Eben so
sehr würde man sich aber auch dem gerechten Urtheil blos stellen, daß man
für feine Kunst auf eine pedantische Art eingenommen sey, wenn man die
Zeit, die Reitkunst zu erlernen, nach der Gewohnheit unserer Vorfahren
abmessen wollte, welche einen Schüler drey Jahre prüfeten, ob er die Kunst
zu lernen Geschicklichkeit genug hätte, und nächstdem erst das entscheidende
Urtheil fällten, ob er in die Lehre genommen werden sollte oder nicht?
Bey dem ersten Fall mußte er nun sechs oder mehr Jahre der strengen Be
handlung seines Lehrers unterliegen. Die Gründe solcher langweiligen Be
handlung werden meinem Leser, wenn ich sie erzähle, nicht befremden; und
ob wir gleich unfern neuern Vorfahren den Vorwurf machen müssen, daß
sie Ursache an dem Verfall der Pferdezucht und der Reitkunst sind, wor
inn wir ihnen so getreu nachahmen; so können wir ihnen den schuldigen
Dank doch nicht entziehen, welchen sie dadurch verdienen , daß sie uns, die
Reitkunst geschwinder zu lernen, die Wege erfunden. Die Gründe, war
um inan in ältesten Zeiten die Reitkunst zu erlernen so viel Zeit brauchte,
und die wir näher untersuchen wollen, waren: i. die außerordentlich star
ken und feurigen Pferde. 2. Die Art.der Behandlung, die sich auf Stren
ge und Gewalt stützte; und 3. die übele und unrichtige Beurtheilung dev
Zäumung. Was das erste anlanget, so hat wohl die Stärke und Fürtreff
lichkeit dieser Thiere sich die Achtung verschaffet, die man für sie in den ältesten
und neueren Zeiten hegete, und wovon uns in der Geschichte die Beyspiele auf
bewahret sind, die ich, da ich für Anfänger schreibe, kürzlich zu wiederho
len, das Recht zu haben glaube. Wir finden in der heiligen Schrift, und
also aus den ältesten Zeiten, die sichersten Nachrichten davon. Im Hiob 39.
Cap. V. 22. und folgenden, findet sich eine prächtige Lobrede, welche Gott
selbst dem Pferde hält. Er sagt: „Kannst du dem Rosse Kräfte geben,
„oder seinen Hals zieren mit stimm Geschreye? Kannst du es schrecken, wie
„die Heuschrecken? Das ist Preis seiner Nasen, was schrecklich ist. Es stram-
„pfet auf den Boden, und ist freudig mit Kraft, und zeucht aus, dem Ge
harnischten entgegen. Es spottet der Furcht, und erschrickt nicht, und
„fleucht

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