Titel:
Vollständige Pferdewissenschaft ; [Erster Band]
Personen:
Prizelius, Johann Gottfried Wikipedia
PURL:
http://viewer.tiho-hannover.de/viewer/image/PPN786988320/13/
Vorrede. rx
Len König Rehabeam mit Krieg überzog, und bey seiner Armee 12000
Wagen und 60000 Reiter sichrere: so ist es klar, daß ungeheure Pferde
zuchten in Egypten gewesen seyn müssen. Wenn die Armeen großer Herren
jetzo so viel Pferde ^forderten : so wäre zu befürchten, daß in wenig Jahren
gar keine Pferde mehr p finden wären; weil man sich jetzo so wenig um die
Pferdezucht bemühet, gmd den Gewinnst lieber aus dem Euter der Kühe zie
het, wie der Herr Zehentner sagt, den man von Meiden erwartet. Die
Achtung für Pferde hat sich beständig nachhero noch erhalten; wovon die
Fabeln der Heiden zeugen. So schreibt man dem NMim die Erschaffung
des Pferdes zu. k'uäit equuni magno telius percursa trief in',agt Virgilius
Lib. I. Georg. Sie bespanneten die Wagen ihrer größesten Götter, als der
Sonne des Pluto und des Neptuns, mit Pferden. Die Römer ließen ih
re Pferde an den größesten Siegen ihrer Helden Theil nehlnen, und widme-
ten sie dein Gott Mars. Die Poeten haben dem Pferde bey verschiedenen
Gelegenheiten Flügel angedichtet; wie z. E. dem Pegasus, und es ist wohl
am mehrsten dadurch geehret, daß man ihm eine Stelle auf der Spitze
des Parnassus eingeräumet hat. Wer weis nicht, daß Darms sein Pferd
zuln Könige wählen ließ; weil er durch dessen Tapferkeit gleichsam auf den
persischen Thron ritte. Wem ist wohl der Bucephalus, des großen Alexan
ders Pferd, unbkannt^ von welchem man ohne Grund vorgiebt, es Habe
einen Ochsenkopf gehabt , und welches wegen seines Muths, Tapferkeit und
Treue merkwürdig worden. Eine wahrscheinlichere ErzähMng in Anse
hung des Ochsenkopfes ist wohl folgende. Alle Pferde aus des Philonicus
Pharsalus Gestüte in Thessalien, woraus auch der Bucephalus herstamme-
te, waren Mit einem Ochsenkopfe als einem Gestütszeichen versehen, und
alle Pferde aus diesem Gestüte waren mit eben den Eigenschaften gezieret,
wie der Bucephalus, weil aber nur ein Alexander war, der ein solches Pferd
ritte, und solche bekannte große Thaten vollführte; so würde in der Ge
schichte auch nur dieses Pferd bekannt. Der Kayser Nero lnachte sein
Pferd zürn Bürgermeister, und Calligula ließ es mit sich an der Tafel spei
sen, bauete ihm einen Stall von Marmor, Krippen von Elfenbein, und
die Wassereimer ließ er von Gold, die Decken aber von Purpur verfertigen.
Dergleichen Beyspiele kann man aus den alten Geschichten eine große Menge
anführen, die von der Achtung, welche man für Pferde gehabt , sattsam
b zeugen,

Anschrift

Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover
Hochschulbibliothek
Bünteweg 2
30559 Hannover
Kontakt

Tel.: +49 511 953-7100
Fax: +49 511 953-7119

E-Mail senden


Datenschutzerklärung

Partner

:
version: intranda viewer - a0c7c66