Titel:
Vollständige Pferdewissenschaft ; [Erster Band]
Personen:
Prizelius, Johann Gottfried Wikipedia
PURL:
http://viewer.tiho-hannover.de/viewer/image/PPN786988320/8/
iv Vorrede.
Ein Bereiter kann weit eher brauchbar werden, und seine Pferde ge
hörig und gut abrichten, ohne daß er von Gestüten einige Kenntniß habe.
Hieraus felget, daß ein geschickter Geftütmeifter die Pferdewissenschaft im
weitläuftigen Verstände besitzen müsse, und daß ein Bereiter, auch ohne
Kenntniß vom Gestütwesen, geschickt seyn könne. Nach solchen Gründen die
Männer betrachtet, verdienet der Gestütmeifter billig den Vorzug vor dem
Bereiter. Wie weitläuftig ist nicht die Wissenschaft, edele Pferde zu zie
hen , und was für Wege muß man nicht einschlagen, um etwas rechtschaffe
nes hierinn leisten zu können? Es ist nicht genug, zu wissen, wann einer
Stute der Begattungstrieb überkömmt, wie der Beschelactus vorzuneh
men, und die Thiere, jung und alt, unterhalten werden müssen; sondern
malt muß sich mit der Kenntniß der Natur dieser Thiere beschasstigen, Be
obachtungen anstellen, Regeln davon ableiten, und auf solche Art die Wahr
heit der gesammleten theoretischen Grundsätze durch Erfahrung bestätigen.
Ohne meine Erinnerung wird es dem Leser gleich einfallen, daß also
ein Gestümeister nach der Größe seilles Genies rnehr oder weniger in einem
Gestüte ausrichten könne; und daß dahcro die Wahl der Geftütmeister mit
der größeften Sorgfalt unternommen werden müsse, weil von deren Ge
schicklichkeit die Schönheit und Güte der Pferde, und also der Nutzen des Ge
stütes abhanget. Ein schönes Pferd wird mit eben den Kosten wie ein häß
liches unterhalten, und jenes übersteigt den Werth dieses oft zehnfach; da-
hero es den Regeln der Klugheit gemäß ist, sich bey der Pferdezucht schöner
Pferde zu befleißiget?, die ein wahrer Geftütrneister ohne Zweifel verschaffet.
Daß aber ein wahrer Gestütmeister solches erzwingen könne, wird in dem
VI. Capitel sattsam gezeiget werden. Es ist mir freylich bekannt, daß man
dieser so sehr einleuchtenden und unumstößlichen Wahrheit nicht gemäß han
delt, und, ich weiß nicht, aus was für Gründen man die Gestüte mit Pferde
ärzten, unbrauchbaren Kutschers und Reitknechten besetzet, welche nicht die
geringste Beobachtung zu machen. Regeln davon abzuleiten, und also eine
Erfahrung zu erhalten fähig sind. Ich bin auch nicht so stolz, zu glauben,
daß durch meine Erinnerung die Sache geändert werde; demohngcachtet
halte ich cs für meine Pflicht, die Wahrheit zu sagen, und meinenr Leser,
die von meinen Vorfahren bereits sattsam bernerkten Gründe des Verfalles
der Pferdezucht, zu wiederholen. Man gehe alle Gestüte in Deutschland
durch,

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