Titel:
Vollständige Pferdewissenschaft ; [Erster Band]
Personen:
Prizelius, Johann Gottfried Wikipedia
PURL:
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-urch, wovon ich jedoch, den Nachrichten zufolge, die Königs. Preußischen
ausnehmen muß, welche durch die geschickte Aufsicht des Herrn Cammerprä-
sidenten von Domhardt und des Herrn geheimen Finanzrath von Brenken-
hof in Flor sind, und sehe ftlbft die Gestüte in Spanien und Frankreich, da
man die herrlichsten Pferde zog; so wird man ganze Ställe voll Pferde er
blicken, unter welchen vielleicht nicht drey sind, die man als vollkommene
gelten lassen könnte. Man besuche die Märkte, so höret man von jedem die
Klagen, daß die Pferde alle Jahre schlechter werden. Nothwendig müssen
doch Ursachen dieses Verfalles vorhanden seyn; und da weder der Himmels
strich, noch Luft, Weide und Wasser verändert sind: so muß es doch wohl
an den Leuten liegen, welche dergleichen Gestüte verwalten. Denen, den
Gestüten vorgesetzten Leuten insgesammt alle Fähigkeiten abzusprechen, wie
es hier das Ansehen hat, wäre sehr unbillig, und ich glaube, daß hier und
da noch mancher geschickter Gestütmeister zu finden wäre, wenn man ihn ei
nes Zutrauens würdigte, feine Geschicklichkeit prüfete, und darnach schalten
ließe; aber auch einen solchen werden oft die Hände gebunden, und eingebil
dete Kenntniß seiner Vorgesetzten überhäufen ihn mit Befehlen, die dem be
sten Endzweck zuwiderlaufen, und diesen Mann verdrüßlich und unthätig
machen. Diese Vorgesetzten sind gemeiniglich solche Herren, die nie Hand
angeleget haben, und deren Wissenschaft von Gestüten sich aufGründe stützet,
die sie von Hörensagen ihrer Lieblinge, oder aus einer gesammleten Biblio
thek erlernet, und welche der Pferdezucht mehr nachtheilig als vortheilhaft
sind. Haben wir nicht Autoren, zu welchen wir unsere Zuflucht wie zu ei
nem Orakel nehmen, und sind deren nicht, die sich ein unumstößliches Anse
hen erworben, ob sie gleich nie ein Gestüte verwaltet haben? Und hegen die
se nicht solche Meynungen, die der Natur der Sache gänzlich zuwider lau
fen? Schreiben sie nicht Beschelordnungen vor, die ein Landmann, der nur
wenig Füllen ziehet, als lächerlich betrachtet? Und dennoch wird solcher schäd
licher Unterricht als ohnfehlbar in Gestüten aufgenommen, ohnerachtet die
Früchte nicht geerntet werden, die man davon hoffet, und obgleich die ganze
Lehre solcher Autoren mit nichts anders als den Worten bewiesen ist: meine
lange Erfahrung hat es mich gelehret. Die Leute schützen Erfahrung vor,
wo sie keine Gründe wissen, und an jener fehlet es ihnen, weil sie keine Ge
stüte verwaltet haben, daraus man nothwendig schließen muß, daß ihre
a 3 ganze

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